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re:publica´12: Act!on – Raus aus dem Elfenbeinturm! Forschung und Lehre zum Mitmachen #rp12

Apr30
2012
3 Kommentare Geschrieben von Volkmarl

Diese Woche, vom 2. – 4. Mai findet zum sechsten Mal die re:publica in Berlin statt. Das diesjährige Motto lautet ACT!ON. Schon die Schreibweise ACT!ON soll die Schubkraft sozialer Medien symbolisieren. Nicht nur für politische Bewegungen sondern in fast allen gesellschaftlichen Bereichen hat durch die digital-soziale Vernetzung ein unumkehrbarer Wandel eingesetzt.

Themenvielfalt garantiert

Allein die rückblickenden Zahlen der re:publica ´11 beeindrucken schon: 3.000 Teilnehmer, 160 Stunden Programm verteilt auf drei Tage und acht Bühnen, 270 Redner aus über 30 Ländern usw. Dieses Jahr sind übrigens bereits rund 200 Stunden Programm geplant. Die vielfältigen Themenangebote (insgesamt 14 Tracks) reichen von zum Beispiel re:Design: „Wie kann man gestalterische Grundlagen für gesellschaftliche Interaktion schaffen?“ über re:Learn: „Wie lernen wir heute?“ bis zu re:Volt: „Die Welt ist in Aufruhr. Neben den anhaltenden Proteste im Nahen Osten, tauchen weltweite Proteste gegen ACTA oder Aktionen der Anonymous Bewegung immer wieder in den Schlagzeilen auf…“

Zukunft des Lernens – re:Learn

In diesem Track geht es um die Zukunft des Lernens ausgehend von der Frage: Wie lernen wir heute? Was sind die rechtlichen und sozialen Grundvoraussetzungen für den Austausch von Wissen? Wie verändern digitale Medien die Arbeit von Universitäten und Schulen? Gleich am ersten Tag wird das Thema Wissenschaft und Open Educational Ressources (OER) im Vordergrund stehen. Passend dazu hat Oliver Tacke eine Idee entwickelt, die zu unserem gemeinsam Beitrag führt: Raus aus dem Elfenbeinturm! Forschung und Lehre zum Mitmachen.

Öffentliche Wissenschaft – Vielfalt der Perspektiven

Zum Paradigmenwechsel hin zum öffentlichen Wissenschaftlicher hat Christian Spannagel bereits vor vier Jahren einen sehr lesenswerten Blogbeitrag verfasst. Matthias Fromm zeigt in seinem Blogbeitrag verschiedene Aspekte offener Wissenschaft auf, die mir sehr gut gefallen, vor allem auch die Relativierungen zum Schluss. Ist Öffentliche Wissenschaft (Open Science), also Forschung und Lehre zum Mitmachen eine gute Idee oder nicht? Wie so oft ist auch die Beantwortung dieser Frage eine Frage des Standpunktes, der eigenen Perspektive und der Rahmenbedingungen. Zum Beispiel zum Forschungsprozess schreibt O. Tacke in seinem Blogbeitrag dazu: “Es geht nicht um das Präsentieren von fertigen Inhalten, sondern um das Erstellen, Prüfen, Verbessern dieser Inhalte durch Forscher, Praktiker und begeisterte Amateure. Wer an der Entwicklung von Wissen mitwirkt, versteht viel besser, was Wissenschaft eigentlich ausmacht und bedeutet.“

Perspektive Lehrender und Wissenschaftler

Kann die o.g. Idealvorstellung von Open Science das wirklich leisten? Im Prozess des Erstellens geht es häufig am Anfang um das Werben und Beantragen von Mitteln, sei es öffentlich oder privatwirtschaftlich gefördert. Es geht also um Wettbewerbsfähigkeit, letztlich genau wie in der Wirtschaft. Auf der anderen Seite sehe ich als Lehrender und Forschender auch die Mehrwerte. Den eigenen Horizont durch Beiträge aus verschiedenen Perspektiven in den Prozess einfließen zu lassen, also in der Tat weniger „Fachidiotentum“ pflegen und gleichzeitig durch kreative Impulse neue Anregungen zu bekommen. Allerdings setzen die Fachdisziplinen vielfach ein profundes Grundwissen voraus, dass eine Beteiligung von „Nichteingeweihten“ äußerst schwierig, bis unmöglich macht. Diesen Aufwand, und das kann ich persönlich auch sehr gut nachvollziehen, scheuen die meisten Wissenschaftler, wie im Übrigen das Beispiel von Scholarpedia zeigt. Hier tauschen sich die Peers, also die jeweilige Fachcommunity intensiv aus. Die intrinsische Bereitschaft des einzelnen Wissenschaftlers ist sehr viel größer, als beispielweise einen Beitrag in Wikipedia zu erstellen, der anschließend unter Umständen von einem fachlichen Laien ggf. verschlimmbessert wird. Letztlich hat dieses Beispiel auch mit der Kompetenz des wissenschaftlichen Arbeitens zu tun, also z.B. auch mit dem Umgang von Primär- und Sekundärquellen.

Perspektive Hochschulleitung

Richtlinien zur Förderung von Lehre, Studium und Forschung gibt es reichlich, selbstverständlich auch an der eigenen Hochschule. Vergleichbare Vereinbarungen/Ordnungsmittel für öffentliche Wissenschaft sind mir bislang allerdings nicht bekannt. Zum Beispiel drängt sich mir die Frage auf: Wie wird eigentlich im Rahmen von wissenschaftlicher Reputation die regelmäßige Pflege und damit Veröffentlichung von Beiträgen in entsprechenden Blogs angesehen bzw. bewertet, im Vergleich zu anderen wissenschaftlichen Veröffentlichungen? Spätestens bei Berufungen könnte eine solche Fragestellung auf die Hochschulleitung zu kommen. Welche motivierenden Rahmenbedingungen können Hochschulleitungen schaffen, um öffentliche Wissenschaft zu fördern? In welchen Fällen ist öffentliche Wissenschaft möglich und wann ggf. auch nicht (Auftragsforschung). Wie könnten die rechtlichen Vereinbarungen im Falle von Sperrvermerken bei Auftragsforschung aussehen? Fragen über Fragen….

Fazit

Das Thema ist außerordentlich vielschichtig, so dass der vorstehende Beitrag nur einen winzig kleinen Ausschnitt gestreift hat. Es gibt eine Flut von offenen Fragen, wie sie zum Beispiel Oliver Tacke am Ende seines Beitrages gesammelt hat. Wir dürfen uns also auf eine anregende Diskussion auf der re:publica 12 mit sicher etlichen inspirierenden Beiträgen freuen – ich bin gespannt.

 

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#opco12 Lieber zu Beginn klären: eigene Motivation, Ziele und Erwartungen

Apr16
2012
5 Kommentare Geschrieben von Volkmarl

Heute begann der OpenCourse 2012 (#opco12) mit reichlichen Startaktivitäten nicht nur auf der OPCO12-Website, sondern natürlich auch auf Twitter, YouTube, Scoop.it! usw. 14 Wochen (16.4. – 21.7. 2012), die einen spannenden Erfahrungsaustausch ermöglichen.

Erste Hürde

Bei der Teilnahme an einem MOOC ist es meiner Erfahrung nach gleich zu Beginn wichtig, sich selbst darüber im Klaren zu werden, was ist meine Motivation, was sind meine Ziele und welche Erwartungen habe ich? Diese Standortbestimmung erscheint mir deshalb so wichtig, weil die Teilnahme/Beteiligung aufgrund der gewünschten Vernetzung und der damit verbunden exponentiell anwachsenden Informationsmenge sonst sehr schnell zu Unlust (Frustration, muss es gar nicht sein) und Abbruch führt. Selbst schon ein schlechtes Gewissen fördert nicht den Spaß an der Teilnahme, sollte also tunlichst vermieden werden. Deshalb gilt zum Selbstschutz: selbstgesteuertes Lernen heißt relaxtes Lernen – auf keinen Fall gestresstes Lernen! (vgl. zum Beispiel S. Downes)

Wichtigster Parameter – eigenes Investment Zeit!

Also, wie viel Zeit bin ich bereit zu investieren? Ich orientiere mich mal an dem vom Veranstalter für die studentischen Teilnehmer angesetzten Workload von 2 ECTS, dann wären das 2×30 Stunden gesamt, also im Mittel 60h/14Wochen = 4,3 Stunden/Woche. Bei großzügiger Aufrundung im Mittel 5 Stunden/Woche oder 1 Stunde/Tag. Betonung liegt auf „im Mittel“ und sollte für den entsprechenden ROI machbar sein.

Intrinsisch motiviert, zeitlich passend limitiert…

Nachdem der Zeitansatz geklärt ist: Wie sieht meine Motivation aus? Mein Fokus ist auf drei Bereiche gerichtet: 1. Die Freude am Lernen und Vernetzen, viele interessante Menschen kennen zulernen führt bei mir zu hoher intrinsischer Motivation. 2. Durch meine Aufgaben in der Hochschulleitung bin ich zwar zeitlich etwas limitiert, aber inhaltlich verantwortlich für die Zukunft von Lehre und Forschung an einer jungen, dynamischen Hochschule. Diese spannende Entwicklungsaufgabe führt ebenfalls zu hoher Motivation. 3. Seit etlichen Jahren liegt mein Forschungsinteresse im Bereich der Entwicklung neuer Lehr-/Lernszenarien durch den passenden Einsatz von Technologie. Im Übrigen ist für mich die konnektivistische Art des Lernen eine weitere Motivationshilfe: lieber selbstbestimmt als fremdgesteuert!

Ziele, die motivieren…

Von der etwas abstrakten Motivation zu konkreteren Zielen: Inhaltlich bin ich mit den von den Veranstaltern angestrebten Zielen konform, glaube aber nicht, dass mein dafür angesetzter Workload ausreicht, weil ich parallel mit den gewonnenen Erkenntnissen den einen oder anderen Veränderungsprozess anschieben möchte.

Zum Beispiel werde ich ein studentisches Projekt „Apps@HSW“ anschieben, das eine fundierte Analyse zu verschiedenen angrenzenden Fragestellungen liefern soll: Was Studierende für mobiles Lernen & Informieren erwarten? Was sind die wichtigsten Herausforderungen für die Entwicklung des Marktes für mobile Anwendungen in den nächsten Jahren? Auf welchen didaktischen Prinzipien beruhen mobile Lernangebote? Welche Angebote sind in einem ersten Schritt an der HSW sinnvoll? Auf Basis der Analyse sollen Ideen und erste Konzepte entwickelt werden, die zu einer ersten App@HSW führen usw.

Ich werde dazu entsprechende Linksammlungen (Diigo-Tags) erstellen, die OPCO-News lesen und pflegen, mit meinem Kollegen gemeinsam jeweils einen Beitrag im HSW-Learningblog schreiben, ScoopIt „Zukunft des Lernens“ mit interessanten Beiträgen von opco12 bereichern und natürlich regelmäßig twittern… …soweit es das angesetzte Zeitkontingent erlaubt ;-) .

Erwartungen und der ROI

Ist das nicht phantastisch, der opco12, ein kostenloses Angebot in dieser wissenschaftlich fundierten Qualität und jeder kann teilnehmen? Wo liegt das Problem? Was nichts kostet, ist auch nichts wert? Also im wahrsten Sinne des Wortes „umsonst“? Tja, bei einer reinen Konsumhaltung könnte es umsonst sein, weil ich Teilnehmer irgendetwas vermisse. Aber genau in dieser Situation bin ich gefordert, mich einzubringen! Wie? Persönlich werde ich mich bei meiner Teilnahme/Beteiligung an dem Modell/Vorgehen von D. Cormier orientieren:

Meine Erfahrung zeigt, je mehr ich mich einbringe umso mehr kann ich gestalten und umso eher werden meine eigenen Erwartungen erfüllt. Wenn ich wie oben beschrieben mein Investment einbringe, erhalte ich fast immer einen sehr wertvollen, nachhaltigen ROI, der mich persönlich und meine Hochschule weiterbringen wird. Ich bin sehr gespannt auf weitere Beiträge dieser Art (bitte gerne verlinken!) und freue mich auf die vielen neuen Impulse :-) .

 

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#opco12 Trends im E-Teaching – der Horizon Report unter der Lupe

Apr02
2012
12 Kommentare Geschrieben von Volkmarl

In genau vierzehn Tagen, am 16. Arpil 2012,  geht´s los mit dem OpenCourse 12 (#opco12) auf den sicher schon viele Teilnehmer des letztjährigen OpenCourse 2011 (#opco11) gewartet haben.

Auch dieses Mal geht es um die Zukunft des Lernens und zwar mit Hilfe der Analyse des NMC Horizon Reports 2012 – Higher Education Edition. Das Hauptaugenmerk ist gerichtet auf sechs technische Trends, bei denen bereits heute klar ist, dass sie einen Einfluss auf die Entwicklung neuer Lehr-/Lernszenarien haben werden. Das folgende Einführungsvideo beschreibt diese Trends kurz:


Der OpenCourse – ein vielschichtiges Format

Auf der Startseite des opco12  wird das Konzept des OpenCourse auf das ursprüngliche Format eines MOOC (Massive Open Online Course) zurückgeführt, das von S. Downes und G. Siemens im Zusammenhang mit dem neuen Lernmodell des Konnektivismus als typisch für vernetztes Lernen entwickelt wurde. Die Besonderheit dieses Formates liegt in der hohen Selbstverantwortung einer wohl noch seltenen Spezies, nämlich des möglichst intrinsisch motivierten, selbstbewussten  Teilnehmers/Lerners, der sich selbst Lernziele steckt und dessen Medienkompetenz ihn befähigt, auf eine vielfältige, durchaus sehr individuelle Art und Weise teilzunehmen bzw. beizutragen und dies alles in einer hochgradig dezentralen ungeschützten Infrastruktur, gemeint ist die des offenen Internets, im Gegensatz zu einem geschlossenen Lernraum, wie zum Beispiel einem Lernmanagementsystem (LMS).

Diese Aspekte werden oftmals nicht hinter dem trügerischen, klassischen Begriff eines Kurses vermutet, so dass der unbedarfte Teilnehmer manchmal mit anderen Erwartungen seine Teilnahme dann auch zügig wieder beendet bzw. ruhen lässt und ggf. bei der Evaluation seiner Enttäuschung Ausdruck verleiht.

Die oben betrachtete ursprüngliche Form eines MOOC´s hat inzwischen variantenreichen Zuwachs bekommen. Spätestens seit der Durchführung des gigantischen MOOCs “Introduction to Artificial Intelligence” von Peter Norvig und Sebastian Thrun mit insgesamt ca. 160.000 Teilnehmern dürfte klar sein, dass hierbei eine sehr viel stringentere Organisation notwendig gewesen ist. Neben diesem Beispiel gibt es eine Reihe weiterer OpenCourses, die ein sehr erfahrener Teilnehmer, John S.F. Mak in seinem jüngsten Beitrag in fünf Kategorien/Ansätze einteilt:

  1. instruktivistischer Ansatz – Beispiel o.g. AI-Kurs
  2. kognitivistischer Ansatz – Beispiel eduMOOC
  3. konstruktivistischer Ansatz – Beispiel mobiMOOC
  4. sozial-konstruktivistischer Ansatz – Beispiel (Gibt es das schon? Ist mir noch unklar!)
  5. konnektivistische Ansatz – Beispiel Change11 (wie oben beschrieben)

Nicht alle der oben vorgenommenen Zuordnungen kann ich nachvollziehen, aber dass der Stanford-Kurs überwiegend durch Instruktion entstanden ist, ist evident. Während der Change11 von D. Cormier, S. Downes und G. Siemens natürlich dem ursprünglichen MOOC entspricht auch um Erfahrungen mit den Modell des Konnektivismus zu sammeln.

OPCO12 – der Versuch einer Zuordnung

Eine Beurteilung der vorgeschlagenen Kategorisierung überlasse ich lieber den Experten der Didaktik, aber ich kann zumindest feststellen, dass der sicher sehr idealistische konnektivistische Ansatz hier beim opco12 in Reinform nicht mehr vorliegt, schon allein weil dies organisatorisch nicht zu bewerkstelligen wäre. Sobald die Teilnehmer eine wie auch immer geartete Bestätigung/Anerkennung ihrer Kompetenzentwicklung haben möchten, muss der Veranstalter sich etwas einfallen lassen. Das opco12-Team hat sich dazu eine zielgruppenorientierte Mixtur einfallen lassen, die von der klassischen Teilnahmebestätigung bis zum digitalen Online Badges reicht. Von den bis zum 30. März 2012 angemeldeten ca. 920 Teilnehmern möchten ca. 540 eine Teilnehmerbestätigung. Die hohe Nachfrage nach einer solchen Anerkennung gibt den Organisatoren Recht von dem klassischen MOOC-Konzept ein wenig abzuweichen und die Rahmenbedingungen für das Erreichen der Lernziele zu definieren. Vielleicht wird damit die Motivation einiger Teilnehmer weiter gesteigert. Eine Zuordnung zum oben angeführten Modell der fünf Kategorien fällt mir schwer, weil ich meine, dass es sich beim opco12 auch um eine hybride Form eines MOOCs handelt. Welche Kombination der Zuordnung trifft am besten zu? (Ich freue mich auf die Kommentare!)

Eigene Ziele 

Da dieser Beitrag bis hierher schon wieder zu lang geraten ist, werde ich meine Ziele in einem späteren Posting genauer beschreiben. Diese werden sicher etwas von den o.g. Rahmenanforderungen abweichen, aber es bleibt ja in diesem Fall jedem Teilnehmer selbst überlassen, ob er die gesamte Freiheit eines ursprünglichen MOOCs genießen möchte, oder lieber eine Bescheinigung (egal ob analog oder digital) erarbeiten will.

Eines aber interessiert mich bereits im Vorfeld: ich möchte gerne verstehen, warum der Titel des opco12 “Trends im E-Teaching” lautet und was  sich die Organisatoren dabei gedacht haben: Ist das etwa ein neuer Trend, eine Art “Backshift: from Learning to Teaching”? ;-)

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#icm2012 – Nachlese zur Inverted Classroom 2012 in Marburg

Feb19
2012
14 Kommentare Geschrieben von Volkmarl

Wenn eine Tagung (Konferenz und Workshops) Handlungskompetenzen vorbereitet

Am 14./15. Februar fand an der Philipps-Universität Marburg die erste deutsche Konferenz zum “Inverted Classroom” statt. Eingeladen waren Lehrkräfte aller Schulformen sowie Hochschullehrende, Studierende und Wissenschaftler.

Vorgestellt wurden neue, größtenteils schon erprobte Lehr-/Lernszenarien, die dem Modell des “Flipped Classrooms” (synonym inverted classroom) folgen. In den Workshops ging es um die Praxis, also zum Beispiel auch darum, wie eine Videoproduktion oder besser eine Screencastproduktion gestaltet werden kann.

Wenn nicht jetzt, wann dann…

Getreu meines Mottos habe ich meine Nachlese in Form eines ersten Screencasts festgehalten und damit meine Handlungskompetenz überprüft ;-) .


Nachhaltigkeit ist garantiert, aber Vorsicht ist geboten…

Wohl keiner der Konferenzteilnehmer zweifelt mehr an der Nachhaltigkeit des ICM (inverted classroom model), insbesondere bei den inzwischen zahlreichen Beispielen von Jürgen Handke, Jörn Loviscach, Christian Spannagel, Aaron Sams u.v.m., die den Erfolg des neuen Modells eindrucksvoll zeigen. Alle Referenten haben durchaus auch auf die vielschichtigen Probleme bei der Einführung dieser neuen Methode hingewiesen, wobei nicht nur die damit verbundene Mehrarbeit und die Umstellung der Lerner gemeint war, sondern auch das Umfeld, welches ebenfalls durch den Wandel bewegt werden. Wie reagieren Institutionen und insbesondere Kollegen auf den Einsatz solcher Methoden? Was den Lerner betrifft, so hat Christian Spannagel es in seinem Vortrag auf den Punkt gebracht: “There ist no way back!” …also, Vorsicht ist geboten!

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iBooks 2.0 als Revolution für digitale Fachbücher?

Feb07
2012
Kommentieren Geschrieben von Florian Schimanke

Vor knapp drei Wochen präsentierte Apple mit iBooks 2.0 seinen Ansatz für die Zukunft digitaler Fachbücher. Hauptmerkmale dieser Bücher sollen dabei vor allem integrierte und zum Text passende Multimedia-Inhalte, sowie eine höhere Interaktivität sein. Ausgangspunkt hierfür waren die Probleme, die herkömmliche, gedruckte Lehrbücher mit sich bringen. Diese sind laut Apple wenig transportabel, wenig robust, gar nicht interaktiv, nicht durchsuchbar und selten aktuell.

Durch die sich aktuell stark verbreitenden (und vor allem bei der jüngeren Generation sehr beliebten) Tablets, bietet sich ein Angebot von Fach- und Lehrbüchern in digitaler Form auf diesen Geräten geradezu an. Apple möchte hier mit seinem iPad und iBooks 2 voranmarschieren und glaubt, die genannten Probleme ausmerzen zu können.

iBooks 2

So kommen in iBooks 2 unter anderem verschiedene Multitouchgesten zum Einsatz, um mit den interaktiven Inhalte zu interagieren. Unter anderem kann man beispielsweise per Pinch-Geste von jedem Punkt aus zum Inhaltsverzeichnis wechseln, Glossar-Begriffe nachschlagen, per Button zu einer bestimmten Seite springen oder mit den multimedialen Inhalten, wie Videos, Bildern und beispielsweise auch Quizzes und Fragen mit sofortigem Feedback arbeiten. Zwischen den interaktiven Elementen der neuen iBooks und einem vornehmlichen Textmodus kann durch das Drehen des Geräts von Quer- auf Hochformat gewechselt werden. Zudem lassen sich in iBooks 2 auch Textpassagen hervorheben, markieren und mit Anmerkungen versehen. Diese Hervorhebungen und Anmerkungen werden ebenso von iBooks automatisch zu Karteikarten umgewandelt, die man anschließend zum Lernen verwenden kann, wie auch die enthaltenen Glossar-Begriffe.

iBooks Author

Zusammen mit dem neuen Format stellte Apple mit dem „iBooks Author“ auch ein Tool zum Erstellen dieser Bücher vor. Dieses ist kostenlos über den Mac App Store erhältlich und kann somit von jedermann genutzt werden. Vorausgesetzt, man besitzt einen Mac mit dem aktuellsten Betriebssystem Lion. Die Bedienung erinnert ein wenig an eine Mischung aus Apples iWork-Apps Keynote und Pages und ist durchaus als intuitiv zu bewerten. Bereits enthalten sind sechs Templates für einen einfachen Einstieg in die iBooks-Erstellung. Das Erstellen von Texten und Einfügen von interaktiven Elementen funktioniert nach dem WYSIWYG-Prinzip. Dabei können neben Videos und Slideshows auch Keynote-Präsentationen und Elemente per Javascript und HTML5 eingefügt werden. Auf diese Weise erstellte Werke lassen sich vor der Veröffentlichung auf dem eigenen iPad testen und bei Bedarf direkt im iBookstore veröffentlichen – einen entsprechenden Publisher-Account vorausgesetzt. Apple hat hierzu bereits eine FAQ veröffentlicht, die die wesentlichen Fragen beantworten soll.

Einige Unruhe hat es bereits um das EULA von iBooks Author gegeben. So gestattet Apple die Veröffentlichung von mit dem Tool erstellten digitalen Büchern ausschließlich über den hauseigenen iBookstore. Inzwischen hat man jedoch klargestellt, dass man lediglich Ansprüche auf das verwendete .ibooks-Format erhebe, nicht aber auf den Inhalt. Dieser kann selbstverständlich auch auf anderen Wegen und mit anderen Tools zur Erstellung vertrieben werden.

Tatsächlich eine Revolution?

Ist das neue interaktive Format aber tatsächlich die angestrebte Revolution für digitale Fachbücher? Fakt ist, dass sich das Lernen in den vergangenen Jahren, stark bedingt durch neue technische Möglichkeiten, drastisch verändert hat. Gleichzeitig werden aber größtenteils nach wie vor „altmodische“ Medien, wie klassische, gedruckte Bücher für die Lehre eingesetzt. Hier ist sicherlich ein tief eingreifendes Umdenken, vor allem der für die Lehre Verantwortlichen erforderlich. Ein in einem Promotionvideo von Apple zu Wort kommender amerikanischer Lehrer fasst dies mit den Worten zusammen „There is no reason today to assume that kids have to use the same tools they used in 1950. In fact, to do so is to prepare them for a world that is already passed.“ Wenngleich diese Aussage ein wenig pathetisch erscheinen mag, steckt doch viel Wahres in ihr. Insofern kann iBooks 2 in der Tat als ein Ansatz gesehen werden, mit dem diesem Problem begegnet werden kann. Im Gegensatz zu gedruckten Büchern sind digitale Fachbücher auf Tablets leicht zu transportieren

  • unempfindlich gegen Beschädigungen
  • einfach aktuell zu halten
  • multimedial
  • durchsuchbar
  • interaktiv

Allerdings ergibt sich auch ein Zirkelverweis auf ein bereits länger bestehendes Problem, nämlich das Problem der Content-Erstellung. Zwar lassen sich iBooks mit dem iBooks Author in der Tat relativ einfach erstellen. Allerdings wollen auch die darin enthaltenen interaktiven Elemente für sich erst einmal erstellt sein. Während dies bei Bildern und Keynote- bzw. PowerPoint-Präsentationen noch relativ einfach ist, gestaltet es sich bei Videos und interaktiven Grafiken schon schwieriger.

Zudem ist nach wie vor unklar, wie die Verlage auf Apples Vorstoß reagieren. Seit der kompletten Vereinnahmung des digitalen Musikmarkts und der dadurch entstandenen Macht Apples ist die Angst groß, dass dies mit dem Markt der digitalen Fachbücher ähnlich geschehen könnte. In den USA konnte Apple zwar einige namhafte Partner für die Erstellung von Fachbüchern im iBooks-Format verpflichten, deutsche Verlage haben jedoch bereits eine Alternative angekündigt, die erstmals auf der didacta (14. bis 18. Februar in Hannover) präsentiert werden und noch bis Ende des Jahres in einer ersten finalen Version vorliegen soll. Auch die Verbreitung der digitalen Lehrbücher stellt ein Problem dar, beschränkt sich das iBooks-Format doch ausschließlich auf Apples eigene iOS-Geräte und kann nicht auf anderen Plattformen, wie z.B. Android genutzt werden. Speziell in diesem Punkt darf man auf die angesprochene Alternative der deutschen Verlage gespannt sein.

Kritische Faktoren und Herausforderungen

Letzten Endes werden verschiedene Faktoren darüber entscheiden, ob sich die interaktiven Lehrbücher nach dem Vorbild von iBooks 2 durchsetzen werden. Zum einen müssen sich die Verlage durchringen, entsprechende Angebote zu erstellen. Diese sollten nach Möglichkeit plattformunabhängig und somit auf den Tablets verschiedener Hersteller und mit verschiedenen Betriebssystemen lauffähig sein. Zudem wird der Aufwand für die zu erstellenden multimedialen Inhalte entscheidend sein, wie viele digitale Lehrbücher es künftig geben wird. Die Idee, den iBooks Author kostenlos zur Verfügung zu stellen, dürfte jedoch dazu führen, dass sich viele Nutzer an der Erstellung von iBooks versuchen werden.

Eine weitere Herausforderung dürfte die Arbeit mit den Markierungen, Texthervorhebungen und Anmerkungen darstellen. Hierzu stehen im Beispiel der iBooks verschiedene Eingabemöglichkeiten zur Verfügung. Allerdings sind Tablets nach wie vor nicht dazu prädestiniert, Texteingaben entgegen zu nehmen, was im Falle von Anmerkungen jedoch der Fall sein müsste. Für den potenziellen Anwender stellt sich hier die Frage, ob es nicht praktischer und schneller ist, Anmerkungen handschriftlich auf das herkömmliche Papier zu schreiben, als sie mehr oder weniger umständlich über die Soft-Tastatur eines Tablets einzugeben.

Keine Frage, mit der groß inszenierten und weltweit beachteten Vorstellung von iBooks 2 ist ein Anfang gemacht, und Apple hat sicherlich auch einige Leute wachgerüttelt. Doch auch die Hersteller der Endgeräte müssen noch weiter aktiv werden. So ist der Einstiegspreis beispielsweise für das iPad zwar für ein solches Gerät relativ gering, aber für viele Schüler und Studierende immer noch zu hoch. Insofern wäre eine Art Education-iPad zu einem vergünstigten Preis sicherlich noch eine Maßnahme für die Zukunft, um die Verbreitung von digitalen, interaktiven Fachbüchern voran zu treiben.

Download-Tipps:

  • iBooks Author (kostenlos, Mac App Store – Mac only!)
  • iBooks 2.0 (kostenlos, iOS App Store)
  • Life on Earth (kostenlos, iBookstore)
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LEARNTEC 2012 – Lernen weltweit vernetzt.

Jan30
2012
3 Kommentare Geschrieben von Volkmarl

Die LEARNTEC in Karlsruhe vom 31. Januar – 2. Februar feiert in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen, mit einem abwechselungsreichen Kongressprogramm unter dem Motto „Lernen weltweit vernetzt“.

Sektion Technology 2: Cloud Learning (31.1., 15 – 18Uhr)

Ich wurde eingeladen über das Thema „Konnektivismus als Lernmodell der Zukunft“ zu sprechen: Die zahlreichen Fundstellen für den Begriff des Konnektivismus sowie damit zusammenhängend das neue Lehr-/Lernformat des “MOOC“ (Mass Open Online Course) belegen, dass sich im Internet-unterstützten kollaborativen Lernen neue Trends abzeichnen. Welches sind die wesentlichen Grundzüge des Konnektivismus? Welchen Einfluß können diese Entwicklungen auf unser Lernen in der Zukunft haben? Wie können diese neuen Instrumente mit klassischen Lernformen kombiniert werden? Wie sieht es mit der Frage der Nachhaltigkeit aus, stellt diese Entwicklung einen vorübergehenden Trend dar oder müssen die klassischen Lerntheorien doch erweitert werden? Der Beitrag zeigt anhand von Beispielen den aktuellen Stand der Entwicklung auf.

Konnektivismus als Lernmodell der Zukunft

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Show-Down | Blogparade zum #ocwl11

Jan18
2012
2 Kommentare Geschrieben von Volkmarl

 

Mit diesem kurzen Beitrag möchte ich nicht nur den Wunsch des fleißigen Gastgebers, Johannes Moskaliuk von der Universität Tübingen unterstützen, sondern auch nochmals ausdrücklich sein hervorragendes Engagement bei der Vorbereitung, Organisation und Durchführung des Open Course Workplace Learning 2011 (kurz: #ocwl11) würdigen.

Beim Show-Down des #ocwl11 geht es um die Beantwortung folgender Leitfragen:

Wie verändern offene Bildungsangebote formales Lernen an Hochschulen und anderen Bildungsinstitutionen?

Zunächst einmal sollte das neue Veranstaltungsformat verschiedene Zielgruppen einbinden und neugierig machen, denn allein die Mischung der Teilnehmer, eben nicht nur Dozent und Studierende, sondern auch Teilnehmer mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen und Motivationen tauschen sich gemeinsam zu wohl vorbereiteten Themen aus. Für die Studierenden ist es sicher größtenteils weiterhin auch eine formale Lernsituation, während andere Teilnehmer sich informell-lernend beteiligen. Vielleicht ergibt sich aus der Wechselwirkung der unterschiedlichen Motivationen, intrinsisch/extrinsisch, ein positiver Effekt für das Lernen.

Sind offene Bildungsangebote die Lösung für die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis?

Offene Bildungsangebote dieser Art sind sicher nicht die (!) Lösung für die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis, aber sie stellen einen weiteren guten, zeitgemäßen Ansatz dar (z.B. neben dualen oder berufsbegleitenden Ausbildungs-/Studiengängen), der alle Vorteile des Netzes nutzen kann (vgl. vorherigen Blogbeitrag). Durch den Austausch zwischen Studierenden und anderen Teilnehmern aus der Praxis besteht die Möglichkeit, dass von der Praxis Impulse in die Theorie und umgekehrt gegeben werden. Letztlich muß die Evaluation solcher Angebote zeigen, ob diese und andere Erwartungen erfüllt wurden.

Wie kann die Teilnahme an offenen Bildungsangeboten zertifiziert werden? Muss Sie das überhaupt?

Zielführend bleibt hier die Frage: braucht der Teilnehmer ein Zertifikat, z.B. für den Nachweis einer bestimmten Berufsbefähigung – dann sollte es eines geben. Die Akkreditierung/Zertifizierung ist eine Herausforderung, aber machbar, insbesondere auch vor dem Hintergrund der Anrechnungsmöglichkeiten von außerhalb der Hochschulen erworbenen beruflichen Kompetenzen, sowie der Entwicklung zur „Offene Hochschule“ mit den neuen Zugangsmöglichkeiten. Allerdings würde ich mir hier mehr Engagement der Bildungseinrichtungen, insbesondere der Hochschulen wünschen – Förderung von e-Bologna ist dringend erforderlich. Der eigentliche Nachweis wäre beispielsweise über Blogbeiträge oder E-Portfolio angemessen, d.h. für beide Seiten mit vernünftigem Aufwand realisierbar.

Wer finanziert offene Bildungsangebote?

Jede Institution, die sich durch die Öffnung geschlossener Angebote hin zu offenen Bildungsangeboten und solchen hybriden wie im vorliegenden Fall einen echten Mehrwert verspricht. Dabei sehe ich weniger das Problem der Kosten im Bereich der Technik als vielmehr im vielfach unterschätzten Personaleinsatz/engagement. Wenn in naher Zukunft das Bezahlen im Internet, speziell Micropayment, noch einfacher wird, könnte sicher auch der einzelne Teilnehmer ein Interesse an der Mitfinanzierung haben, vorausgesetzt die Qualität stimmt.

Was fehlt Ihnen beim #ocwl11?

Die Zeit ;-) . – die wiederum eine entsprechende Planung erfordert. Planung ist nur möglich, wenn rechtzeitig ein solches Angebot bekannt ist. Während sich der Kenner (early adopter) z.B. auf die von Downes und Siemens jährlich wiederkehrenden CCKnn MOOCs bereits einstellen konnte, schießen zurzeit eine Reihe weiterer offener Kurse aus den Tiefen des Netzes hervor, so dass Interessenten wenig Chancen zur Planung haben und somit oftmals die Zeit fehlt :-( .

Was würde Sie besser machen, wenn Sie der Gastgeber des #ocwl11 wären?

Wünschenswert wäre sicher eine frühere Ankündigung eines solchen Angebotes ;-) .

Um wertvolle Hinweise zur detaillierten Umsetzung geben zu können, habe ich mich zu wenig beteiligen können. Die Themen, die ich begleitet habe waren sehr gut vorbereitet, die externen Referenten und Paten waren passend ausgewählt und immer motiviert. Die technische Umsetzung ist weitgehend gelungen.

Es gäbe noch Einiges mehr zu dem aus meiner Sicht gelungenen Auftakt dieses innovativen hybriden Lernszenarios zu sagen, allerdings wie schon oben erwähnt sollte die Auswertung erst auf Basis einer qualifizierten Evaluation stattfinden. Dabei interessiert mich insbesondere die Frage an die Studierenden, wie hoch sie selbst die Reibungsverluste durch das Einarbeiten in die Instrumente des neuen Formates einschätzen. Umgekehrt natürlich, wurden durch das neue Format die Motivation und damit auch der Lernerfolg gesteigert? Insgesamt bin ich auf die Auswertung sehr gespannt und freue mich über Fragen und Kommentare.

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Mehr Veränderungen beim Lernverhalten in den letzten 10 Jahren als in 1000 Jahren zuvor – alle im Wesentlichen bedingt durch technische Innovationen

Jan03
2012
10 Kommentare Geschrieben von Volkmarl


Inspiriert durch den schönen Artikel von Donald Clark (special thanks to Donald Clark for the inspiring article!) reflektiere ich hier persönliche Erfahrungen. Auch aus meiner Sicht hat sich das Verhalten der Lerner ganz pragmatisch, vielerorts bereits irreversibel geändert, während an anderer Stelle intensiv darüber diskutiert wird, ob z.B. der Konnektivismus wirklich eine neue Lerntheorie ist oder eher doch nur eine pädagogische Sichtweise. Ich meine aus der Sicht der Lerner sind folgende Entwicklungen nicht mehr weg zu denken:

1. Asynchron und ubiquitär

Ob es jetzt um die lernortübergreifende Praxisbetreuung in dualen Studiengängen via Forum in einem LMS geht, oder eine Mathematikvorlesung via Video (Methode vgl. z.B. flipped classroom) am Lernort zu Hause vorbereitet wird, das asynchrone Lernen nimmt ständig weiter zu. Fast jeder Lerner hat inzwischen ein Smartphone und kann damit von überall, zu jeder Zeit auf Kurse, Wissen oder eine Vielzahl von Medien zugreifen. Auch im Kontext mit der realen Welt wird durch Applikationen zur erweiterten Realität (augmented Reality) in vielen Bereichen (vgl. z.B. Museum) ubiquitäres Lernen gefördert.

2. Links – Lernen läuft in der Regel nicht linear ab

Das eine, ideale Lehrbuch gab es im Studium nicht. Also wurde ein ganzer Bücherstappel auf dem Schreibtisch gebildet und dann noch das Fachlexikon und einige Journale hinzugezogen – die mit dem Lernen verbundene Recherche ist eben nicht linear. Wie schön, dass es im Web Hyperlinks gibt! In der Tat Wikipedia ist sicher eines der besten Beispiele, das ohne Links nicht funktionieren würde. Auch die gesamte Blogosphäre lebt von Hyperlinks.

3. Suchen und bewahren

Bevor Lerner heute in die Bibliothek gehen wird gegoogelt. Googeln als Verb für „mit Google im Internet suchen“ wurde bereits 2004 in die 23. Auflage des Rechtschreib-Duden aufgenommen. Nur ein kleiner Indiz für die Allgegenwärtigkeit dieses Konzerns, dessen Mission „Organize the world´s information …“ wohl niemand mehr anzweifelt. In jedem Fall ist es eines der wichtigsten Instrumente beim Lernen. Weitere Dienste, wie z.B. für das „Bookmarken“, das „Aufbewahren zum späteren Lesen“ oder die „Kurationsdienste“ helfen bei der Aufbewahrung und Pflege.

4. Wikipedia und vernetztes Lernen

Sicher das prominenteste Beispiel: Wikipedia! Wie konnte das passieren? Das größte Werk der Menschen entsteht parallel in x Sprachen, völlig freiwillig ohne, dass eine Institution dahinter steht und mit einem Abschluss versucht zu motivieren, ohne, dass die Arbeit vergütet wird…intrinschische Motivation etwa? In der neuen Kultur des Lernens, lernen die Menschen durch ihre Interaktion und Partizipation miteinander in „fließenden Beziehungen“, die das Ergebnis der gemeinsamen Interessen sind. In diesem Umfeld stehen alle Teilnehmer auf gleicher Ebene. Niemand hat die traditionelle Rolle des Lehrers oder Schülers. Auch der Qualitätsanspruch deutlich gewachsen, so dass die Inhalte in vielen Fällen (!) bereits wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.

5. Chancen sozialer Netzwerke

Ob nun Fluch oder Segen Facebook, Google+ und andere soziale Netzwerke boomen. Neben dem Austausch von persönlichen Erfahrungen und Wissen werden inszwischen ganze Studiengänge via soziales Netzwerk betrieben. Der einfache Multiplikatoreffekt loser „Freundschaften“ führt zu einer neuen Form von Kollaboration mit der Chance sehr viel bessere Ergebnisse zu erzielen. Zum Beispiel hat dieser Effekt auch Auswirkungen auf Wissenschaft und Forschung, Stichwort öffentliche Wissenschaft. Während früher wissenschaftliche Arbeiten von ein oder zwei Experten begutachtet wurden, wird heute dazu übergegangen, wissenschaftliche Arbeiten ins Netz zu stellen und zwar mit der ausdrücklichen Aufforderung, dass möglichst viele Experten ein Feedback geben.

6. Blogs, Mikroblogs – Lesen und Texten

Durch Blogs, Mirkoblogs wird Lesen und Schreiben als soziale Aktivität wahrgenommen und führt in Verbindung mit neuen Endgeräten (Tablet-Computer) zu einer Renaissance des Lesens und Schreibens insbesondere bei der jüngeren Generation. Eine auch das gemeinsame Verfassen von Texten wird durch die instantane Feedbackmöglichkeit gefördert. In der Tat ist dabei ein interessantes Phänomen, dass die Textnachricht gegenüber einem persönlichen Gespräch (z.B. auch via Skype) oftmals bevorzugt wird, was sicher unterschiedliche Gründe haben mag, z.B. auch Asynchronität.

7. Pod- und Vodcasting

Noch nie war es so einfach “selbst auf Sendung zu gehen”. YouTube ist nicht nur die zweitgrößte Suchmaschine sondern hat auch die Art und Weise des Lernens enorm geändert. Neben dem vielzitierten Beispiel der Kahn Academy, gibt es eine Reihe sehr erfolgreicher deutscher YouTube Kanäle wie zum Beispiel den von Prof. Jörn Loviscach, der mit heutigem Stand auch bereits ca. 4,2 Millionen Videoaufrufe verzeichnen kann – also offensichtlich gibt es dafür einen großen Bedarf, denn dabei geht es nicht um Funvideos sondern um Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften allgemein.

8. Spielend Lernen

Spielen als Synonym für anspruchsvolle Erlebnispädagogik oder genauer “Game-based Learning” oder “Serious Games” sind heute wichtige Forschungsthemen (vgl. z.B. Überblick in L3T Son Le und Peter Weber). Geschicktes didaktisches Design kann den vermeintlichen Lerner quasi überlisten, so dass dieser nicht notwendigerweise merkt, dass er lernt. Die Vernetzung spielend Lernender in sogenannten Social Games führt neben dem Spaß des Spielens an sich zu einer weiteren sozialen Motivation, insbesondere im Wettbewerb ums Gewinnen oder das gemeinsame Entwickeln von Strategien.

9. Anwendungen und Werkzeuge (Apps and Tools)

„Dafür gibt es bestimmt eine App…“, hört man inzwischen nicht nur von flippigen Smartphone Besitzern. Heute sind es zwar bei den meisten „Informationsarbeitern“ immer noch die Office-Tools, wie Textverarbeitung-, Tabellenkalkulation- und Präsentationssoftware, die im täglichen Einsatz genutzt werden. Mit zunehmender Mobilität der Arbeitsplätze und der Endgeräte werden sich die Werkzeuge in die Cloud bewegen und wiederum ubiquitär verfügbar sein.

10. Offene Bildungsresourcen (OER)

Als vor gut 10 Jahren das MIT mit seiner Initiative „MIT OpenCourseWare“ ins Netz ging, waren doch viele Hochschulangehörige angesichts des Urheberrechts sehr überrascht. Die Vorstellung als Institution ihr Kowhow frei zur Verfügung zu stellen war bis dahin eher ungewöhnlich. Inzwischen hat ein Umdenken stattgefunden und es gibt zahlreiche weitere Hochschulen, die ihre Kurse offen ins Netz gestellt haben. Das Thema Urheberrecht ist noch nicht abschließend diskutiert, aber es gibt eine Reihe von Initiativen und die Deutsche UNESCO-Kommission hat vor kurzem einen Leitfaden zum rechtssicheren Umgang mit Open Content Lizenzen veröffentlicht – eine erfreuliche Entwicklung gerade aus der Perspektive der Lerner.

Fazit

Der Einsatz sämtlicher Instrumente für das Lernen erfordert durchaus ein hohes Maß an Medienkompetenz (z.B. wie prüfe ich die Validität gefundener Informationen?), auch wenn es daran oftmals noch mangelt, das Verhalten der Lerner hat sich de facto entscheidend geändert und wird sich weiter mit der Entwicklung technischer Innovationen ändern. Was machen die Kindergärten, Schulen, Hochschulen und Bildungseinrichtungen daraus? Wie gehen sie damit um? Wie wird sich die Ausbildung für Erzieher, Lehrer und Trainer ändern? Welche neuen professionellen Intelligenzen bzw. Kompetenzen brauchen wir, um dieses neue Lernverhalten zu fördern? Fragen über Fragen. Auch Anfang des Jahres gehen mir die Fragen nicht aus, freilich vollständige Antworten hat wohl noch niemand parat – ich freue mich auf anregende Diskussionen.

 

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Stippvisite bei der #ecbi11 dem EduCamp 2011 in Bielefeld

Nov30
2011
Kommentieren Geschrieben von Volkmarl

Veranstaltungsformat: Mitmach-/Unkonferenz

Das Format EduCamp bzw. BarCamp, eine Art der Mitmachkonferenz, wird bereits seit etlichen Jahren (seit 2007) weltweit insbesondere in der Community der Medien- und Bildungswissenschaftler zu unterschiedlichen Themen mit Erfolg eingesetzt.

Themen der Beiträge „on demand“

In Bielefeld, vom 18. – 20. November 2011 lautete das Leitthema „Neue Lernkulturen entwickeln und vernetzen“. So wurden am Samstag, 19.11. zum Beispiel folgende Themen (vgl. Sessionmatrix) durch die Teilnehmer initiiert und diskutiert: „Wie bekommen wir die EduCamp Inhalte an die Basis der Schule?“, „Lernen durch ERKLÄREN mit VIDEO“, „Flipped Classroom“, „Portfolio Academy“ usw. Neben diesen zielorientierten Themen ging es auch darum sich in der Online-Community einfach mal von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen, zum Beispiel in den Sessions: „Twitterer treffen sich“ oder „MOOC Klassentreffen“.

Mytos intrinsische Motivation?

Die enorme Kreativität und die hohe Aktivität vor, während und nach dieses EduCamps zeigt eindeutig, dass es sie doch gibt, die intrinsische Motivation! Bereits im Vorfeld wurden Beitragsthemen auf der mixxt-Plattform gesammelt. Die „Präsenzbeiträge“ während der Tagung wurden vielfältig dokumentiert. Zum Beispiel eines der zentralen Themen OER (open education resources) wurde nachhaltig von Thorsten Larbig im Netzwerk freie Bildungsmedien verankert. Verschiedene Stimmungen und Reflexionen im Nachgang zum EduCamp 2011 sind auch zu finden bei  Andrea Brücken, Dörte Giebel, Monika König, Karlheinz Pape, Christian Spannagel, u.v.m..

Persönliches Fazit – Empfehlenswert!

Obwohl ich nur eine kurze Stippvisite investiert habe und den Samstag miterleben und gestalten durfte, war es für mich lohnenswert. Zum einen habe ich eine Reihe von Teilnehmer/innen persönlich von Angesicht zu Angesicht kennengelernt, was sicher die Nachhaltigkeit der sonst oft nur virtuellen Vernetzung fördert. Zum anderen wirkt die offene Mitmachkonferenz-Atmosphere immer noch nach und motiviert mich dieses Format auch in anderen mehr formalen Lehr-/Lernsituationen einzusetzen – dazu später mehr.

Herzlichen Dank!

Den Organisatoren möchte ich hier ausdrücklich für die hervorragenden Rahmenbedingungen danken. Auch und gerade das Einwerben von Sponsoren ist mit erheblichem Einsatz verbunden. Schade, wenn dann (erst) im Nachgang eine mehr oder weniger sachliche Auseinandersetzung über einen bestimmten Sponsor geführt wird. Eine direkte oder indirekte Einflußnahme auf die Inhalte oder den Verlauf des EduCamps habe ich nicht feststellen können und ist auch bislang nicht belegt worden.

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#ocwl11 Open Course Workplace Learning 2011 – Ein Experiment mit neuartigem Lernformat

Okt21
2011
7 Kommentare Geschrieben von Volkmarl

Dr. Johannes Moskaliuk, Arbeitsbereich angewandte Kognitionspsychologie und Medienpsychologie der Universität Tübingen, hat diese Woche ein zunächst einmal arbeitsintensives Experiment gestartet. Im Rahmen seines Seminars “Computer Supported Collaborative Learning” für Studierende des Studiengangs Diplom-Psychologie kombiniert Johannes Moskaliuk eine klassische Präsenzveranstaltung mit Elementen eines Massive Open Online Courses (MOOC).

Das Neue: „Zur Teilnahme an der webbasierten Lehrveranstaltung eingeladen sind alle, die sich für die Themen „Workplace Learning“ und „Wissensmanagement“ interessieren. Vor dem Hintergrund der Forschungstradition des „Computer-Supported Collaborative Learning“ stehen dabei kooperative, arbeitsplatzbezogene Lernszenarien im Zentrum des Kurses. Ziel ist psychologische Theorien und empirische Ergebnisse zu verknüpfen und daraus Antworten auf Fragen aus der Praxis zu finden.“

Das Experiment: J. Moskaliuk hat auf der einen Seite mit den Studierenden Offline-Präsenzphasen geplant, bei denen theoretische Grundlagen gemeinsam aufbereitet und diskutiert werden. Diese Phase findet ohne Beteiligung der Öffentlichkeit statt. In den öffentlichen Online-Phasen soll die Diskussion fortgesetzt und in einer Online-Session in einem virtuellen Klassenraum (via Adobe Connect, in Kooperation mit e-teaching.org) mit einem eingeladenen Referent vertieft werden.

Die Rahmenbedingungen: Jeder Interessierte kann sich hier zu dem offenen Online Course anmelden. Neben den ausgewählten Beiträgen von J. Moskaliuk können alle Teilnehmer Ihre Beiträge mit dem Hashtag #ocwl11 versehen im Netz posten. So bereits vielfältig im Vorfeld geschehen z.B. hier, hier oder hier. Für die sechs Themenfelder wurden zusätzlich Experten für jeweils eine Online-Session gefunden. Darüber hinaus hat der Gastgeber eine Reihe von Paten für die unterschiedlichen Themenbereiche gewonnen.

Meine Fragen: Welche Synergien ergeben sich bei diesem neuen Lehr-/Lernszenario aus Sicht der Studierenden und aus Sicht der übrigen Teilnehmer? Welche Erfahrungen hat der Veranstalter, welche die Paten gemacht? Nutzen die Studierdenden die vielfältigen Möglichkeiten eines MOOC wirklich aus? Sind die Studierenden bereit, ihre eigene Lernkultur zu verändern? Verfügen sie über die notwendigen social media Kompetenzen? Wird das Betreuungsverhältnis durch die o.g. Kombination verbessert? Fragen über Fragen – ich bin sehr gespannt. Auch inhaltlich ist das Thema eng mit den Erfahrungen in praxisintegrierten Studiengängen verbunden: lernen am Lernort Unternehmen in Kombination mit dem Lernort Hochschule.

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