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#SOOC13 – Blogparade: Warum ich blogge? – Meine Top 5

Luck-Openness

Bildquelle Opensourceway

Einem Aufruf zur Blogparade: Hilfe, mein Prof blogt! von Anja Lorenz im Rahmen des ersten Saxon Open Online Course (#SOOC13) folgend, geht es hier um meine individuelle Beantwortung der einfachen Frage: Warum blogt Ihr eigentlich?

Und in der Tat die dort bereits ausgeschlossenen Vorannahmen: „Blogposts werden auf keiner Publikationsliste erwähnt. Blogposts werden bei Anträgen um Drittmittel nicht berücksichtigt. Blogposts werden vielleicht noch nicht einmal von den eigenen Mitarbeitern oder Studenten gelesen.“ sind auch für mich nicht ausschlaggebend.

Informeller Erfahrungsaustausch

Der besondere Reiz des Bloggens liegt vielmehr im informellen Charakter, die eigene Meinung darf hier einfließen, ganz im Gegensatz zum Vorgehen beim wissenschaftlichen Publizieren. Das macht den Erfahrungsaustausch nicht nur persönlicher, sondern in der Regel auch viel unmittelbarer und schneller. Während die Inhalte und Gedanken, die ich mir zu einer Publikation mache meistens zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lange zurück liegen, ist die Aktualität eines Blogs inklusive der Response darauf sehr viel zeitnäher und weil informell meistens auch authentischer.

Vernetztes Lernen schafft Mehrwert

Ich sehe den individuellen Blog als einen persönlichen Knotenpunkt im vernetzten Lernen, ganz im Sinne des konnektivistischen Modells. Ich bekomme unmittelbares Feedback (auch keine Kommentare sind Feedback ;-)), kann themenfokussierte Diskussionen führen und dabei neue Ideen entwickeln. Der Knotenpunkt befähigt mich zur adäquaten Partizipation in „meiner Lern-/Forschungscommunity“ sowie auch in offenen Online Kursen. Die Dialoggruppen sind nicht auf wenige Spezialisten begrenzt, sondern offen für die breite Öffentlichkeit. Die resultierende Vernetzung und damit die Kommunikation erfolgt auf Augenhöhe. Das hat bei mir schon oft zur Erweiterung meines Horizonts geführt und ist für mich ein unschätzbarer Mehrwert.

Wandel hin zur öffentlichen Wissenschaft

Die Entwicklung des Internets von einer rein technischen Kommunikationsplattform hin zu einem sozialen Netzwerk hat unmittelbare Auswirkungen auf die Art und Weise wie sich Wissenschaft austauscht und organisiert. Ich sehe darin eine besondere Chance für Wissenschaftler sich über ihre eigene Wissenschaftscommunity hinaus mit Interessierten aus ganz unterschiedlichen Bereichen auszutauschen. Wissenschaft und Praxis können dadurch viel effektiver zusammengeführt und Barrieren abgebaut werden. Für mich ist z.B. Christian Spannagel ein Vorbild als öffentlicher Wissenschaftler, der mit viel Mut und Geschick die Verbindung von Wissenschaft und Praxis (Schule) insbesondere über seinen Blog als persönlichen Knotenpunkt pflegt. Für mich ein schönes Gefühl, diesen Wandel ein wenig mitgestalten zu können.

Gedanken sortieren, Themen reflektieren

Beim Schreiben, nicht nur eines Blogartikels, sortiere ich meine Gedanken. Während das Denken auditiv ist, kommen beim Schreiben der visuelle und der kinästhetische Kanal hinzu, was bei mir oft die Kreativität fördert. Insofern ist das Schreiben an sich ein für mich ein kreativer Prozess – das Prinzip der Schriftlichkeit fördert die Kreativität, insbesondere mit den vielen Möglichkeiten der Medienintegration durch das Web. Manchmal reicht es deshalb Themen aus anderen Quellen/Blogs zu reflektieren, um sich seiner eigenen Position klarer zu werden.

Myself-Kurator – individueller Wissensspeicher

Sicher gibt es im Web eine ganze Reihe von Tools mit denen ein persönlicher Wissensspeicher einfacher gepflegt werden kann. Für die tägliche Pflege nutze ich zum Beispiel Scoop.it, Learni.st oder Diiego.  Die sozialen Netzwerke Twitter, Facebook oder G+ sind mir dafür zu wenig geeignet und ich habe meine Inhalte damit auch ganz aus der Hand gegeben. Vor dem Hintergrund der allgegenwärtig drohenden Informationsüberflutung sehe ich gerade Blogs, die mich persönlich interessieren als eine der wichtigsten moderierten Firewalls, die mir mit ihrer gefilterten Information viel Arbeit abnehmen. Das Zauberwort digital curation oder content curation bezeichnet genau diese Auswahl und individuelle Pflege von Inhalten bestimmter Themenbereiche, häufig in Form eines Blogs – hier sei als Vorbild Jochen Robes angeführt. Im Sinne dieser individuellen Pflege und schnellen Auffindbarkeit macht es mir einfach Spaß mehr oder weniger regelmäßig den eigenen Wissensspeicher zu füllen.

Nach dem Motto in der Kürze liegt die Würze, soweit meine fünf wichtigsten Punkte zu meiner Motivation.

#mmc13 MOOC Business Model – Talent fishing via MOOCs 4#4

Im dritten Szenario geht es um eine Personalabteilung eines Konzerns, die sich einer bekannten Herausforderung stellen muss: Die Gewinnung von qualifiziertem Fach-/Führungspersonal vor dem Hintergrund des demographischen Wandels. Nehmen wir an, bei dem Konzern handelt es sich um einen Automobilhersteller, der insbesondere sogenannte MINT-Absolventen als neue Mitarbeiter finden möchte. Die Idee ist hierbei, dass die Personalabteilung (der MOOC-Veranstalter) ein Thema initiiert, das zum Auftrag des Unternehmens gehört. Sagen wir im vorliegenden Beispiel lautet das Thema des MOOCs: „Die Zukunft von Elektroautomobilen – Chancen und Herausforderungen“. Die gute, offene Kommunikationsstrategie des Unternehmens stellt ihre Absicht (Gewinnung von neuen Mitarbeitern) gleich zu Beginn vor und erhofft sich damit eine zusätzliche Motivation. Beiträge aus dem Wissensbereich/-management des Unternehmens dürfen natürlich nicht einem betriebsinternen Sperrvermerk unterliegen (sicher eine besondere Herausforderung!).

Talent fishing in MOOCs bmg

Kundensegmente – Für wen schöpfen wir Wert?  

Die erklärte Absicht ist das Recruiting von Fachpersonal, d.h. das Unternehmen selbst ist ein interner Kunde der Personalabteilung. Interessenten, Hochschulabsolventen und ganz besonders die aus den MINT-Fächern (hier nochmal segmentiert speziell Ingenieure) bilden das zentrale externe Kundensegment.

Wertangebote – Welchen Wert vermitteln wir der Zielgruppe?

Dem internen Kunden wird die Dienstleistung des Personalrecruitings angeboten. Die Fachabteilungen haben ihre Bedarfe festgelegt, die mithilfe der Personalabteilung gedeckt werden sollen. Den externen Kunden werden attraktive Stellenangebote offeriert, obwohl natürlich die Aufmerksamkeit durch die Veranstaltungsform MOOC im Vordergrund steht. Der grundsätzliche Mehrwert für alle Interessenten und Absolventen ergibt sich aus den angebotenen Materialien zum Thema sowie den Expertenbeiträgen und den Feedbacks auf Teilnehmerbeiträge – quasi ein großer kostenloser Wissenspool zum o.g. Thema. Eben ein kostenloses offenes Lernangebot aus erster Hand.

Kanäle – Über welche Kanäle können unsere Zielgruppe erreicht werden?

Die Bewerbung kann zunächst über alle klassischen als auch elektronischen Medien erfolgen. Der MOOC selbst wird via Web und insbesondere über Social Media betrieben. In der Endphase (Auswahl von Bewerbern) finden persönliche Gespräche mit potenziellen Bewerbern statt.

Kundenbeziehungen – Welche Art von Beziehungen erwartet unsere Zielgruppe?

Die wichtigste Kundenbeziehung besteht auch hier darin, dass die MOOC-Community gepflegt wird. Ein echter Mehrwert für Interessenten besteht im qualifizierten und damit hier sehr praxisnahen Feedback zu eigenen Beiträgen/Fragen. Grundsätzlich hält die Mitbeteiligung der Teilnehmer das gesamte Lehr-/Lernszenario lebendig.

Einnahmequellen – Für welche Werte sind unsere Kunden bereit zu bezahlen?

In diesem Modell werden keine direkten extern Einnahmen generiert. Intern könnte natürlich das Personalwesen auch wie ein Profitcenter gesehen werden ;-). Die eigentliche Wertschöpfung des Unternehmens besteht quasi in der Gewinnung von qualifizierten Mitarbeitern und bestenfalls in einem Imagegewinn. Der Erfolg dieses Modell muss sich dann an den klassischen Aufwänden für Marketing und Personalrecruiting messen lassen. Ggf. ein weiterer Aspekt sind die erarbeiteten Teilnehmerbeiträge, die ebenfalls wertschöpfende Beiträge liefern könnten.

Schlüsselressourcen – welche sind erforderlich?

Die Personalabteilung hat die Aufgabe eines Initiators. Für das Betreiben des MOOCs sollte sie ein Projektteam von internen und externen Experten zusammenstellen. Es gilt MOOC-Experten als Berater zu gewinnen. Dabei stellen die vorhandenen Netzwerke, also Beziehungen zu Schlüsselpartnern die wichtigste Ressource dar.

Schlüsselaktivitäten – Recherche, Qualitätssicherung, Betreuung und Beratung

Nach der Gewinnung des Projektteams ist die eigentliche Personalabteilung erst wieder in der Endphase (Bewerberauswahl) gefordert. Das Expertenteam hat neben dem eigentlichen Betrieb des MOOCs (Qualitätssicherung, Betreuung und Beratung) zusätzlich die Aufgabe Talente zu entdecken. Dazu ist eine gezielte Auswertung von Teilnehmerbeiträgen erforderlich, die anschließend an die Personalabteilung für die Endphase weitergeleitet wird.

Schlüsselpartnerschaften – Inhalte, Experten und Lehrbeauftragte

Auch hier sind die Schlüsselpartnerschaften wieder das zentrale Element: Angefangen von der didaktischen Konzeption, der Bereitstellung von Inhalten bis hin zum eigentlichen Betrieb (Betreuung der Lernenden) des MOOCs sind Hochschulen sicher als wichtige Partner zu sehen. Darüber hinaus könnten weitere Bildungs- oder Forschungsinstitute beteiligt werden. Auch das Expertenwissen von Zulieferern könnte wertvolle Beiträge zusteuern.

Kostenstruktur – welche sind hier besonders zu berücksichtigen?

Im Wesentlichen kommen hier die laufenden Personalkosten (intern/extern) zum Tragen sowie Honorare für Beratung, Expertenbeiträge und die Vergabe von Lehr- und Betreuungsaufgaben. Ebenso entstehen Kosten für den Betrieb der technischen Infrastruktur usw.

Welche Ideen/Anregungen/Fragen haben Sie zu diesen noch sehr simplen Modellen?

#mmc13 MOOC Business Model – Blended MOOCs im LLL 3#4

>Im Gegensatz zum ersten Modell soll hier die Initiative von Bildungsanbietern (z.B. VHSn oder private Institute) ausgehen, die Weiterbildung im Sinne des lebenslangen Lernens anbieten. Durch einen blended MOOC Ansatz können auch weniger Internet-affine Zielgruppen angesprochen werden. Blended MOOC (bMOOC) kann bedeuten, dass Lernen und Betreuung auch in Präsenz stattfindet oder/und in geschlossenen Lernräumen, also z.B. in einem LMS. Mit diesem Ansatz sollen Brücken gebaut werden, zwischen der vollkommen offenen Welt (MOOC) und den Kompetenzen/Vorlieben des Teilnehmers. Schon in einem ersten bMOOC (#ocwl11 Open Course Workplace Learning 2011 von J. Moskaliuk) äußerten die Teilnehmer den Wunsch nach einem mehr geschütztem Lehr-/Lernraum, also einem LMS. Die Hemmschwelle für eine offene Partizipation ist auch aufgrund fehlender Medienkompetenz ein Hauptgrund für die hohe Zahl von Lurkern in MOOCs (vgl. auch linke Seite bei Jasmin Hamadeh). Auch das sinngemäße Zitat von Ton Zijlstra: „Oftmals zu finden bei gut funktionierenden Communities of Practice: Menschliche Bedürfnisse bestimmen die Grenzen von Offenheit – geschlossene Lernräume sind oft wichtige Bedürfnisse der Lerner!“ unterstreicht diesen Bedarf. Genau hier setzt dieser Vorschlag an.

Blended MOOCs im LLL bmg

Kundensegmente – Für wen schöpfen wir Wert?  

Abhängig von den angebotenen Themen werden hier Bildungsinteressenten mit einer „mittleren Internetaffinität“ angesprochen. Auch für Personalentwickler, die für ihr Unternehmen externe Angebote suchen, könnte ein solches Angebot in Frage kommen.

Wertangebote – Welchen Wert vermitteln wir der Zielgruppe?

Angeboten wird eine qualitätsgesicherte Auswahl von Weiterbildungen, die ggf. auch auf Externenprüfungen (Kammern, Verbände) vorbereiten können oder zu einer Anrechnung auf Hochschulstudiengänge führen (offene Hochschule und Anrechnung, vgl. z.B. in Niedersachsen). Speziell für die Gruppe der Personalentwickler: Beratung für Personalentwickler mit der individuellen Zusammenstellung von Weiterbildungsmaßnahmen auf der Basis von bMOOC-Formaten.

Kanäle – Über welche Kanäle können unsere Zielgruppe erreicht werden?

Die Bildungsanbieter nutzen zur Bewerbung des neuen Angebotes ihr Netzwerk: Wie erreichen wir unsere Zielgruppe jetzt? Welche Kanäle funktionieren am besten und sind am kosteneffizientesten? Für die Endkunden/Teilnehmer gilt: Die Distribution der Inhalte und die Betreuung kann über ein LMS (am besten mit Social Media Anbindung) erfolgen, um einen geschützten (behüteten) Lernraum anzubieten. Zusätzlich werden Präsenzveranstaltungen mit Experten angeboten (bMOOC-Ansatz). Die Personalentwickler erwarten eine umfassende persönliche Beratung die für ihr Unternehmen maßgeschneidert ist.

Kundenbeziehungen – Welche Art von Beziehungen erwartet unsere Zielgruppe?

Ähnlich im Vergleich zum ersten Modell steht hier die intensive Pflege von Communities, d.h. die Förderung des Austausches der Teilnehmer untereinander im Fokus. Ebenfalls gilt hier die Mitbeteiligung an der Gestaltung der Inhalte bzw. Setzung von Schwerpunkten fördert die Kundenbeziehung. Das Kundensegment „Personalentwickler“ braucht natürlich eine andere Beratung, Betreuung und Einbeziehung als der einzelne Endkunde/Teilnehmer.

Einnahmequellen – Für welche Werte sind unsere Kunden bereit zu bezahlen?

In diesem Modell könnten Kursgebühren die Einnahmen generieren. Denkbar wären z. B. zwei unterschiedliche Gebührenansätze: 1. Pauschale Kursgebühr: Der Teilnehmer zahlt ähnlich wie in klassischen Kursen für den zeitlich begrenzten Zugang, die Teilnahme und die Betreuung eine pauschale Kursgebühr. 2. Zahlung nach Aufwand: Je nachdem an wie vielen Präsenzveranstaltungen der Teilnehmer teilnehmen möchte. Ggf. noch weiter nach Beratungsaufwand differenziert mit Hilfe von Micropayment-Systemen. Für die Zielgruppe der Personalentwickler fallen entsprechende Beratungsgebühren an.

Schlüsselressourcen – welche sind erforderlich?

Wiederum steht das Fachpersonal als wichtigste Schlüsselressource im Vordergrund. Viele Bildungsanbieter arbeiten hier sinnvollerweise mit Honorarkräften. Bei der Auswahl dieses externen Fachpersonals ist die Qualitätssicherung der entscheidende Punkt (vgl. Schlüsselaktivitäten). In diesem Szenario sind Räumlichkeiten und technische Infrastruktur erforderlich. Beides könnte in gewissem Rahmen angemietet werden (vgl. Kostenstruktur).

Schlüsselaktivitäten – Recherche, Qualitätssicherung, Betreuung und Beratung

Der Bildungsanbieter braucht idealerweise keine selbstproduzierten Inhalte für seine Angebote zu entwickeln und zu produzieren. Die Schlüsselaktivität liegt in dem didaktischen Konzept und der Auswahl/Zusammenstellung (kontinuierliche Recherche) der frei verfügbaren Materialien. Dabei sind wiederum die Schlüsselpartner von entscheidender Bedeutung. Wegen des Einsatzes von Lehrbeauftragten ist die Auswahl mit Sicherung der erforderlichen Medienkompetenz eine zentrale Aufgabe der Qualitätssicherung. Darüber hinaus sollten auch die Fremd-Inhalte geprüft werden, soweit das in einem MOOC überhaupt möglich ist ;-). Im hier gewählten bMOOC-Format ist eine Betreuung via LMS sowie auch der Präsenzveranstaltungen zu berücksichtigen.

Schlüsselpartnerschaften – Inhalte und Lehrbeauftragte

Schlüsselpartner könnten MOOC-Anbieter zu verschiedenen Themenbereichen, sowie Bildungseinrichtungen (Fachschulen, Hochschulen, private Anbieter) selbst und Produzenten von freiverfügbarem Content sein. Je vielfältiger dieses Netzwerk ist, umso vielfältiger kann das Angebot gestaltet werden. Letztlich ist das Finden und die Auswahl geeigneter Partner eine weitere Schlüsselaktivität, die entscheidend zur Qualitätssicherung beiträgt.

Kostenstruktur – welche sind hier besonders zu berücksichtigen?

Zu den Betriebskosten (im Wesentlichen Räumlichkeiten und technische Infrastruktur) kommen Personalkosten für festangestellte Mitarbeiter sowie Honorare für die Vergabe von Lehr- und Betreuungsaufgaben. Ggf. sind noch Lizenzgebühren für LMS oder zusätzliche Inhalte (Anreicherung durch Expertenmeinung) erforderlich.

Fortsetzung folgt morgen: Talent fishing in MOOCs 4#4

#mmc13 MOOC Business Model – Hochschul Verbund – MOOCs 2#4

Einleitung

Alle folgenden Überlegungen stellen nur kurze Impulse dar und sollen gerne hinterfragt, ergänzt und weiterentwickelt werden. Im ersten Modell gehe ich davon aus, dass wir in Zukunft mehr im Beruf stehende Menschen qualifizieren müssen. Sollen am Ende der Qualifizierung Hochschulabschlüsse stehen, müssen die Teilnehmer ihre Kompetenzentwicklung anhand von erworbenen ECTS-Punkten nachweisen. Damit wird in den Bachelor-/Masterstudiengängen der Leistungsnachweis (in Einheiten des Arbeitsaufwandes des Lerners) von einer Hochschule bestätigt. Dies ist sicher ein ganz klassischer Ansatz, der sich deshalb auch als erstes anbietet in dem erwähnten Modell abgebildet zu werden.

Also gehen wir von folgender Situation aus: Ein Verbund von Hochschulen hat in seiner Strategie beschlossen, in Zukunft mehr berufsbegleitende Programme anzubieten und dafür das Thema MOOCs besonders zu fördern. Ziel ist es die Außendarstellung des Hochschulverbunds als modernen innovativen Verbund zu verbessern und insbesondere mehr Studierende, die bereits im Beruf stehen, für sich zu gewinnen. Was könnte er machen, um diesen Ansatz zumindest kostendeckend zu entwickeln?

HS-Verbund MOOCs bmg

Kundensegmente – Für wen schöpfen wir Wert?   

Die Hochschulen identifizieren zunächst einen Studienbereich, in dem viele der Interessenten mutmaßlich Internet-affin sind, also z.B. den Bereich Wirtschaftsinformatik oder die sogenannten MINT-Berufe. Die Zielgruppe wären Studieninteressenten für diesen segmentierten Bereich, die im Beruf stehen und diesen nicht für ein Vollzeitstudium aufgeben möchten. Also ein berufsbegleitendes Angebot, das nicht unbedingt ein Massenmarkt bedient, aber in Zukunft immer wichtiger wird.

Wertangebote – Welchen Wert vermitteln wir der Zielgruppe?

Ein ganzes Curriculum, bestimmte Module, oder Teile daraus, sind als xMOOCs aufbereitet und ermöglichen es den Studierenden an diesen Modulen kostenlos teilzunehmen. Teilnehmer, die an einem geprüften Leistungsnachweis teilnehmen möchten, melden sich formal an. Nach erfolgreichem Abschluss eines Leistungsnachweises bekommen sie ein Zertifikat, das den Erwerb von ECTS-Punkten bestätigt. Der Mehrwert läge zunächst einmal darin, dass das Studium berufsbegleitend, mit sehr breitem Angebot (Auswahl aus dem Verbundangebot) und selbstbestimmt durchgeführt werden könnte.

Was ist der Unterschied zu einem klassischen Fernstudium? Die mögliche (!) Offenheit des xMOOC-Formates bietet die Chance zum kollaborativen Lernen mit gewünschter Meinungsvielfalt, wobei der individuelle Lerner seine Lernzeit und Lerntempo mitbestimmen kann. Auch die Beteiligung von ausländischen Partnern und damit internationalen Komponenten führen hier zu einem Mehrwert, den wir im klassischen Fernstudium i.d.R. nicht finden. Also das Angebot erleichtert dem Studierenden sein Studium und die Organisation seiner Lebensumstände.

Marketingaspekt: Außerdem klingt ein MOOC-organisiertes Studium doch viel moderner ;-).

Kanäle – Über welche Kanäle können unsere Zielgruppe erreicht werden?

Klar, über das Web… Wenn wir wie oben beschrieben von einer eingegrenzten Zielgruppe sprechen, dann sollten wir in der Lage sein die Kanäle genauer zu spezifizieren. Welche Kanäle im Web werden von diesen Studieninteressenten genutzt? Ein zentraler Kanal könnte zum Beispiel Facebook sein. Im Vergleich zur typischen MOOCer Community sind Studierende generell nicht so stark in Twitter vertreten. Eines der ersten Beispiele, dass noch vor dem MOOC-Hype an den Start ging, war die London School of Business and Finance mit ihrem MBA-Programm. Andere Kanäle könnten über Berufsverbände oder Kammern bedient werden. Zur Bewerbung des Angebotes müsste in diesem Fall sicher noch die Gamer-Szene noch genauer untersucht werden J). Die eigentliche Distribution der Inhalte erfolgt über freie/offene Instrumente des Webs, die Betreuung und Lernpfadberatung via Social Media.

Kundenbeziehungen – Welche Art von Beziehungen erwartet unsere Zielgruppe?

Hier fängt es an interessant zu werden: Wie viel persönliche Unterstützung benötigt ein solches Angebot? Welche Selbstlernkompetenzen, welche Medienkompetenzen können wirklich vorausgesetzt werden? Welche neue Rolle müssen die Gastgeber/Dozenten einnehmen können? Wichtig ist sicher die intensive Pflege von Communities, d.h. die Förderung des Austausches der Teilnehmer untereinander. Auch die Mitbeteiligung an der Gestaltung der Inhalte bzw. Setzung von Schwerpunkten würde zur Förderung der Kundenbeziehung führen. Ich denke, insbesondere an diesen beiden Punkten hapert es in vielen xMOOC-Angeboten, wie von Rolf Schulmeister zu Recht beklagt. Andererseits stellt dies sicher auch eine der größten Herausforderungen dar. Auch hier ist der Verbundansatz eine wichtige Voraussetzung zur Sicherung der Qualität.

Einnahmequellen – Für welche Werte sind unsere Kunden bereit zu bezahlen?

Klassisch könnten in den verteilten Standorten, also auch bei den Partner-Hochschulen „Prüfungs-Center“ gerne auch virtuell, eingerichtet werden, die dann gegen eine angemessene Prüfungsgebühr ordnungsgemäße ECTS-Prüfungen abnehmen würden. Eine Einschreibe-, Mitglieds- oder Nutzungsgebühr entfällt! Ich denke die vielfältigen amerikanischen Überlegungen zu weiteren Einnahmen funktionieren am deutschen Markt nur sehr begrenzt. Wobei selbst in den USA sind die Hauptakteure sehr unsicher: „Even Ms. Koller is unsure about the future of MOOCs — and her company.“

Ein weiterer wichtiger Unterschied zum klassischen Fernstudium. Nutzer, die keinen Abschluss erreichen wollen, profitieren kostenlos von diesem Angebot. Der Betreiber profitiert ggf. auch von den Beiträgen dieser Teilnehmer, in jedem Fall sind es auch Multiplikatoren.

Durch Einbindung weiterer Wirtschaftspartner (z.B. nach dem Vorbild von Udacity, edX, Coursera in Verbindung mit z.B. VMWare ) bekämen die Studierenden kostenfreien Zugriff auf bestimmte Software-Lizenzen. Zusätzlich könnten mit diesen Partner Werbeeinnahmen generiert werden.

Sekundäreffekt: Zurzeit ist die Aufmerksamkeit für MOOCs auch in Deutschland relativ groß. Die anbietenden Hochschulen haben die Möglichkeit das Format „crossmedial“ zu bewerben und könnten dadurch die Nachfrage insgesamt steigern.

Schlüsselressourcen – welche sind erforderlich?

Welche Schlüsselressourcen erfordern unsere Wertangebote, unsere Distributionskanäle, unsere Kundenbeziehungen und unsere Einnahmequellen? Die personellen Ressourcen stehen bei einem solchen Vorhaben sicher im Vordergrund. Die Entwicklung und Akkreditierung erfordert einen zunächst einmaligen Aufwand, um ein solches neues Format als Studienprogramm anbieten zu dürfen. Natürlich müssen die Qualitätssicherung und die wiederkehrenden Re-Akkreditierungen ebenfalls im Aufwand berücksichtigt werden. Bei der Entwicklung spielen insbesondere rechtliche Aspekte (Urheberrecht) eine nicht zu unterschätzende Rolle, da es ja anschließend um eine offene Verteilung und Verwendung gehen soll, also im besten Fall um CC-lizensierte Materialien. Im Betrieb sind sicher die Gastgeber/Dozenten ganz besonders bei der Lernerbetreuung (vgl. oben Kundenbeziehung) gefordert.

Schlüsselaktivitäten – Produktion, Betreuung und Prüfungswesen

Wie im vorherigen Punkt beschrieben gehört zur Produktion nicht nur das Erstellen der Lernmaterialien (z.B. Videos) sondern auch die Erfüllung von einer Reihe von formalen Anforderungen (z.B. Akkreditierung). Ebenfalls oben erwähnt, die Betreuung der Teilnehmer ist während des Betriebs die wichtigste, qualitätssichernde Herausforderung. Hier trennen sich didaktisch wohl durchdachte Konzepte von schlechten Angeboten, die Rolf Schulmeister erwähnte. Notwendig sind auch auf Seite der Lehrenden neue Kompetenzen, wie z.B. Lernpfadberatung. Schließlich muss über das Prüfungswesen nachgedacht werden. Also weg von klassischen Prüfungen oder auch E-Assessments, hin zu mehr kompetenzorientierten Prüfungsformen (Portfolios in Form von Teilnehmerbeiträgen usw.), die wiederum einen erheblichen Aufwand (Schlüsselaktivität) erforderlich machen. Qualität hat seinen Preis.

Schlüsselpartnerschaften – entscheidender Faktor für ROI

Jetzt kommen wir zu einem ganz zentralen Punkt in diesem Modell: den Schlüsselpartnerschaften, also hier dem Verbund von einer geeigneten (!) Anzahl von Hochschulen im In- und Ausland. Darüber hinaus könnten auch andere geeignete Weiterbildungspartner im Sinne der Öffnung der Hochschulen gegenüber der beruflichen Bildung einbezogen werden (Thema Anrechnung beruflicher Kompetenzen) oder als Unterstützer wie oben bei den Einnahmequellen erwähnt.

Das hier angedachte Modell funktioniert aus meiner Sicht nur im Verbund, in dem insbesondere zwei Schlüsselaktivitäten gemeinsam betrieben werden, nämlich die Entwicklung und die Betreuung. Für eine einzelne Hochschule wären der Aufwand und das Risiko auf dieser Ebene (akkreditiertes Programm) sicher zur Erzielung eines ROI´s zu hoch. Gerade der Reiz sich Hochschul- und Länder-übergreifend zu vernetzen, macht einen wesentlichen Mehrwert dieses Angebotes möglich, um sich von bestehenden Angeboten abzugrenzen.

Kostenstruktur – welche sind hier besonders zu berücksichtigen?

In diesem Modell kommt neben den laufenden Personalkosten bei der Entwicklung, Betreuung und im Prüfungswesen noch der Aufwand der Akkreditierung und Qualitätssicherung (laufende Evaluationen) hinzu. Die Betriebskosten bestimmter Plattformen sind im Vergleich dazu nahezu zu vernachlässigen. Nicht zu unterschätzen sind die Kosten für Tools, Lizenzen und Ausstattung bei der Produktion qualitativ hochwertiger Inhalte. Freilich, diese Aufzählung ist noch weit von einer Vollkostenbetrachtung entfernt, allein wenn ich an die Erstellung von Abschlussdokumenten (Urkunden) denke, die dann doch nicht nur elektronisch produziert werden können ;-).

Fortsetzung folgt morgen:  Blended MOOCs im LLL  3#4

#mmc13 MOOC Business Model – Einführung 1#4

Motivation

Darf ein MOOC, also ein „Massive OPEN Online Course“, bei dem ja die Materialien und der Zugang frei zugänglich bzw. für jeden möglich seien sollen, etwas kosten? Dürfen MOOC´s kostendeckend oder gar gewinnbringend angeboten werden, oder ist dies gesellschaftlich, moralisch, etc. eher verwerflich?

Ein wenig hatte ich den Eindruck, wurde in der letzten Woche (3. Woche im #mmc13: Thema „Open“) diese Fragestellung gleich mitbehandelt, wobei mir die teils sehr einseitigen Positionen zu sehr in Richtung Schwarz-/Weiß-Malerei gegangen sind. Jasmin Hamadeh hat dies in ihrem Beitrag ebenfalls zum Ausdruck gebracht. Eines sollte allen Beteiligten klar sein, das Anbieten/Betreiben eines MOOC´s erzeugt Kosten (i.d.R. Personalkosten und Kosten für das Betreiben der Infrastruktur) und diese müssen zumindest gedeckt werden, ob vom Staat oder einer privaten Gesellschaftsform ist zunächst dabei unerheblich.

Also wenn wir Vielfalt denken wollen, dann wird es vielleicht in Zukunft MOOC-Formate geben (z.B. blended MOOCs), die Anteile haben, die kostenlos angeboten werden und die gleichzeitig Leistungen beinhalten, die bezahlt werden müssen. Es wird Angebote geben, bei denen der Mehrwert vielleicht nicht unmittelbar für jeden sichtbar wird und auch nicht für wen dieses Angebot einen Mehrwert darstellt.

cash cow Cash  Cow by Oldmaison (CC BY-SA)

Ziel dieses Impulses (vier Teile)

Ich konzentriere mich bei den folgenden Ausführungen mehr auf das kreative Schaffen von ein paar Ideen für mögliche Geschäftsmodelle (bzw. erste Ansätze), mit denen ich in der #mmc13-Community die Diskussionen anregen möchte. Ich werde drei Ideen/Entwürfe (Hochschulverbund, bMOOC und fishing for talents) vorstellen, die sicher nicht alle neu sind, aber auf jeden Fall vor dem o.g. Hintergrund diskutiert werden sollten. Allerdings, die o.g. Grundsatzfragen vertiefe ich hier nicht weiter. Vielleicht greifen die anderen Impulsgeber der 4. Woche diese Fragen auf, eine vorherige Abstimmung hat nicht stattgefunden und macht es durchaus auch interessanter ;-).

Fragestellung im #mmc13

Die Gastgeber/Innen des #mmc13 haben für die 4. Themenwoche einige Einstiegsfragen formuliert, die aus meiner Sicht unterschiedliche Qualitäten haben: Welche Motive haben die Anbieter von MOOCs? Wer kommt hier wie auf seine Kosten? Was ist der Return on Investment, wenn die Teilnahme kostenfrei ist? Dies sind genau die Fragen, die sich Gastgeber/Anbieter/Betreiber stellen müssen, um ein kostendeckendes oder gewinnbringendes Business Model zu entwickeln. Genau diese Fragen werde ich mit meinen Vorschlägen/Ideen in ähnlicher Form aufgreifen.

Schaden oder nutzen MOOCs der Bildungswirtschaft? Dies hat für mich wiederum eher die Qualität einer Grundsatzfrage.  Diejenigen, die ein passendes Business Model entwickeln werden den Nutzen in den Vordergrund stellen. Diejenigen, die ihr Geschäftsmodell gefährdet sehen, werden den Schaden beklagen ;-). So erleben wir es täglich in ganz vielen Bereichen, in denen Geschäftsmodellinnovationen etablierte Modelle ergänzen oder gar verdrängen. Mein Impuls wendet sich also den ersten Fragen zu möglichen Innovationen zu. Über Schaden oder Nutzen werde ich hier nicht philosophieren.

Vorgehen – Business Model Canvas

In den drei weiteren Beiträgen motiviere ich meine Idee kurz einleitend. Zur Beschreibung der jeweiligen Idee in Form eines Geschäftsmodells wende ich ein sehr schlankes und pragmatisches Modell an, das von A. Osterwalder und Y. Pigneur entwickelt wurde. Ich halte es für sehr geeignet, um eine gemeinsame Sprache zur Beschreibung, Visualisierung, Bewertung und Veränderung von Geschäftsmodellen zu definieren.

Die Autoren entwickelten dazu eine sogenannte „Business Model Canvas“. Dieses Tool ist eine Art vorbereitete „Leinwand“ mit neun Bausteinfeldern, auf der der Planer/Veränderer so zu sagen zusammenhängende Bilder von neuen oder bestehenden Geschäftsmodellen kreieren kann. Die Canvas hat den großen Vorteil, dass die Wechselwirkungen der neun Komponenten direkt auf einen Blick sichtbar sind und der Planer damit den Überblick behält. Zum kreativen „Ausfüllen“ werden die zentralen Fragen (vgl. Osterwalder & Pigneur) der Wechselwirkungen/Beziehungen den einzelnen Bausteinen zugeordnet. Das Modell und die zugehörigen Fragestellungen habe ich hier ausführlicher beschrieben. Wer tiefer einsteigen möchte, dem sei das o.g. Buch von A. Osterwalder und Y. Pigneur empfohlen.

Ich möchte mit diesen Impulsen vor allem die Teilnehmer anregen, diese Ideen zu diskutieren und „weiterzuspinnen“. Das Modell kann uns in der Diskussion helfen festzulegen, über welchen Einfluss/Baustein im Geschäftsmodell wir gerade diskutieren – es bietet die Möglichkeit eine einheitliche Sprache zu verwenden: worüber reden wir gerade? Und überhaupt: Wofür wären Sie bereit in einem MOOC zu bezahlen? …

Ich freue mich auf eine anregende Diskussion :-).

Be COOL – then a MOOC is a real MOOC

MOOCmania – das Jahr der MOOCs

Als MOOCs noch in den Anfängen und weniger populär waren, gab es noch keine Diversifizierung dieser neuen Art von Kursen. Die Vorstellung darüber, was ein MOOC eigentlich ist wurde in dem schönen Einführungsvideo von D. Cormier verständlich erklärt:

Die Verwendung des Begriffs änderte sich allerdings spätestens seit der Durchführung des Stanford-Kurses für künstliche Intelligenz von S. Thrun und P. Norvig. Dieser war mit ca. 160.000 Teilnehmern wirklich richtig „massive“. Offen im Sinne von jedermann kann teilnehmen und online war er natürlich auch, allerdings im Gegensatz zur ursprünglichen Form fest curricular gesteuert und mit automatisierten Selbsttests organisiert. Also etwas anderes, das mit dem konnektivistischen Ansatz nach S. Downes und G. Siemens nicht mehr viel zu tun hatte.

Das Entscheidende war, dass dieser Kurs den Begriff „MOOC“ äußerst populär machte. Andere amerikanische Hochschulen zogen nach. Für den Stanford Präsidenten J. Hennessy, war klar “What I told my colleagues is there’s a tsunami coming…” und auf dieser Tsunami-Welle sollten ab jetzt mindestens die Elite-Universitäten surfen. Selbst vor der Titelseite des Time Magazins (Ausgabe 10/18/2012, Artikel von A. Ripley) machte die MOOCmania nicht halt:

College Is Dead. Long Live College!

Und schließlich meint „The New York Times“ (Ausgabe 11/2/2012, Artikel von L. Pappano) dieses Jahr geht als “The year of the MOOCs” in die Bildungsgeschichte ein.

Welche Erwartungen hat der Lernende? xMOOCs vs cMOOCs

M. König stellt in Ihrem Blogbeitrag die simple Frage: „Wann ist ein MOOC ein MOOC?“ und beschreibt, wie Sie in einem sehr klassisch organisierten Stanford MOOC (Designing a New Learning Environment) ein wenig Lust am intrinsisch motivierten Lernen verliert. Vielleicht liegt es an ihrer Erwartungshaltung als echte Selbstlernerin ;-). Vielleicht will der Kurs auch die sicher stark diversifizierte Zielgruppe breiter ansprechen. Nicht jeder Teilnehmer wird dort ein Edupunk sein, also ein echter DIY-Lerner. Inzwischen könne die verschiedenen MOOC-Formate differenziert betrachtet werden, zum Beispiel hier:

Grundsätzlich werden damit auch unterschiedliche Anforderungen an die jeweiligen Teilnehmer gestellt, was wiederum mit unterschiedlichen Erwartungen einhergehen kann. Die Art von MOOCs, die S. Downes, G. Siemens, D. Cormier ursprünglich quasi zur Erprobung des Modells des Konnektivismus ins Leben gerufen haben, passt heute vielfach nicht mehr zur Erwartung der intrinsisch motivierten Selbstlernern oder gar zum ursprünglichen Begriff des MOOC.

So be COOL

J. Wedekind, einer der Veranstalter/Moderatoren des diesjährigen opco12, hat sich ebenfalls zu dieser Frage Gedanken gemacht und schlägt als passenderen Begriff für diese mehr konnektivistischen Onlinekurse das folgende Akronym vor:

COOL für Cooperative Open Online Learning.

Er sieht das entscheidende Merkmal dieser Kursform nicht in der Größe, sondern darin, dass die zeitlich beschränkte Zusammenarbeit der Teilnehmer mit dem Ziel, von- und miteinander zu lernen im Vordergrund steht, ganz im Sinne des konnektivistischen Modells von G. Siemens.

Schade eigentlich, dass S. Downes, den es sicher zu Recht gehörig stört, dass MOOCs mittlerweile eher mit dem Stanford AI-Format assoziiert werden, sich nicht auf diese Idee einließ.

Zur Vertiefung der ursprünglichen Idee empfehle ich den Artikel: „What is the theory that underpins our moocs?“ von G. Siemens.

#opco12 Offene Online Kurse – Perspektive für Bildungsveranstaltungen für Hochschulen und Weiterbildung?

14 Wochen lang haben die Teilnehmer des OpenCourses 2012 #opco12 den Horizon Report unter die Lupe genommen. Abschließend treffen sie sich am 20. Juli zur einer (Präsenz) Konferenz in Frankfurt. Neben der  Auswertung des Offenen Online-Kurses #opco12 soll es um zwei Fragestellungen gehen:

  1. Stellen Open Online Kurse als Format ein Potential für Hochschulen und z.B. universitäre Weiterbildungsangebote dar?
  2. Unter welchen Umständen eignen sie sich, für welche Themen, für welche Anbieter und was ist bei ihrer Gestaltung zu beachten?

Etwas Live-Input, als Impulse für Diskussionen

Johannes Moskaliuk von der Universität Tübingen, Veranstalter des #ocwl11, wird unter dem Titel: “Bildung zwischen Hochschule und Web” sicher auch über seine Erfahrungen mit dem ersten „Blended Open Course Workplace Learning 2011“ berichten.  Ich wurde ebenfalls eingeladen zu den o.g. Fragestellungen etwas Input für Diskussionen zu geben und entschied mich für folgenden Arbeitstitel: “Offene Kurse in klassischen Lehr-/Lernformaten – E-Bologna weitergedacht. Eine Chance Hochschule, berufliche Bildung und lebenslanges Lernen zusammen zu bringen?”

An die Ziele von E-Bologna anknüpfend

Im Zusammenhang mit dem Bologna-Prozess tauchte vor etlichen Jahren auch der Begriff von E-Bologna bei verschiedenen Tagungen auf. Die Ziele sind z.B. bei e-teaching.org zu finden. Wie wäre es, diese Ziele wieder aufzugreifen und mit den neuen Erkenntnissen und Möglichkeiten offener Online-Kurse zu kombinieren? Nutzen wir z.B. als Plattform einen „Blended MOOC“  und damit eine Möglichkeit verschiedene Dialoggruppen zusammen zu bringen. Wäre es möglich, auf diese Weise die Qualität von klassischen Lehr-/Lernszenarien zu steigern? In meinem Beitrag schlage ich ein 3-Phasenmodell vor, das vielleicht eine moderate Weiterentwicklung im Sinne von E-Bologna darstellen könnte.

Trainingsphase für den moderaten Übergang

Bei der Vorgehensweise scheint mir insbesondere die Phase 2 als Übergangsphase bzw. besser als Trainingsphase von besonderer Bedeutung zu sein. Dies wird explizit auch in der Bachelor-Thesis mit dem Titel: „Open Course als Lernszenarium für eine Hochschule – lassen sich die Potentiale von lose gekoppelten Netzwerken für formale Lernsettings nutzen? Eine Untersuchung der Wissenskommunikation und Wissensteilung im Bloggernetzwerk des Open Course ocwl11 der Universität Tübingen (unter besonderer Berücksichtigung der Rolle der Kurs-Paten).“ als wesentliches Ergebnis formuliert. Dort heißt es unter anderem: „Die Ergebnisse der Untersuchung bieten erste Ansatzmöglichkeiten für eine Optimierung der Praxis im Hinblick auf die notwendige Förderung der Studenten im Sinne einer Entwicklung von Netzsensibilität, Partizipations- und Medienkompetenz. Hochschulen sollten daher vor der Initiierung eines OOC in Form einer Trainingsphase die erforderlichen Medienkompetenzen der Studenten ausbauen, damit sie von dem Lernen im Netzwerk profitieren können und nicht zusätzliche kognitive Ressourcen zur Orientierung und Einübung in die Technologien aufbringen müssen.“

Diese Trainingsphase ist sicher nicht nur für Studierende und Teilnehmer wichtig, sondern ebenso für Lehrende/Lernbegleiter/Veranstalter/etc.

Ach, übrigens: Mit der Abschlusstagung, die ja eine Präsenzveranstaltung ist, kann der #opco12 ebenfalls in die Kategorie „Blended MOOC“ eingeordnet werden ;-). Also, auf ein persönliches Kennenlernen in Frankfurt :-).

Die Edupunks kommen – Achtung auch hier besteht Verwechslungsgefahr!

Jim Groom

„Die Edupunks kommen!“ titelt der Hauptartikel im Buch „Chancen“ der Wochenzeitung „Die Zeit“ No. 25 vom 14. Juni 2012, S. 69. Alexandra Werdes interviewt Ayad al-Ani, Organisationsforscher, von der ESCP Europe Wirtschaftshochschule Berlin.

Selbstbestimmtes Lernen ganz im Sinne des Konnektivismus

Nun eigentlich sind Sie schon da, wie im o.a. Artikel bemerkt wurde der Begriff erstmalig in einem Blog von Jim Groom in 2008 geprägt. Gemeint ist hier der „Do-it-Yourself“ Lerner, der vernetzt, selbst seine Lernpfade erkundet und sich auf diese Weise neue Inhalte erschließt, ganz im Sinne des Lernmodells des Konnektivismus. Der Lerner lernt nicht mehr auf Vorrat, sondern nach Bedarf seiner Anforderungen oder Anforderungen, die an ihn gestellt werden.

MOOC ist nicht gleich MOOC und Edupunk nicht gleich Edupunk

Das entscheidende Merkmal eines Edupunks ist also sein selbstbestimmtes Lernen ohne institutionellen Rahmen oder gar ein Curriculum. Dies erfordert ein erhebliches Maß an Selbstlernkompetenz mit entsprechenden Medienkompetenzen gepaart. Was den im o.g. Artikel zitierten Stanford-MOOC angeht, ist die Motivation der ca. 160.000 Teilnehmer weitgehend eine andere gewesen: kostenlos ein Stanford-Zertifikat zu erhalten, reichte bei vielen nach Aussagen des Veranstalters Sebastian Thrun aus, um zumindest den Versuch zu starten. Außerdem gab es hierbei sowohl einen institutionellen als auch einen curricularen Rahmen und gerade dieser Aspekt sorgte für die hohe Teilnehmeranzahl. Also alles andere, als das was ursprünglich einen Edupunk auszeichnete.

Lernen in der Zukunft – vielschichtig und spannend

Gesucht ist in Zukunft also die „Edupunk-Kompetenz“, die nach Meinung von Herrn Ayad al-Ani durch Scouts vermittelt wird, die gemeinsam mit den Lernenden Lernpfade festlegen. „Das Lernpfad-Management kann ähnlich wie die Studienberatung in der Uni stattfinden oder auch von unabhängigen Dienstleistern angeboten werden.” Die Ausbildung zum „Lernpfad-Manager“ ist langwierig, sehr anstrengend und zurzeit nur durch ein intrinsisch motiviertes Selbststudium zur erreichen – nicht einmal Badges gibt es dafür ;-).

Rolle der Institutionen im stetigen Wandel

Diese Entwicklung setzt einen weiteren stetigen Wandel bei den Schulen, Hochschulen und Bildungsinstitutionen voraus. Herr Ayad al-Ani prognostiziert drei Rollen für Lehrende der Zukunft: 1. Medienattraktive Superstars, 2. Forscher und 3. Mentoren und Tutoren. Nach meiner Erfahrung bräuchten wir mehr mutige Lehrende wie z.B. Christian Spannagel oder Jörn Loviscach, die weniger als Superstars auftreten, als vielmehr Ihre eigenen Lehr-/Lernmethoden mit den neuen technischen Möglichkeiten didaktisch sinnvoll weiterentwickeln und dabei sowohl forschend als auch als Lernbegleiter/-berater tätig sind. Diesen Vorbildern sollten die Institutionen fördernde Rahmenbedingungen schaffen, damit die Zukunft der Einrichtungen gesichert ist.

Zur weiteren Vertiefung ist der „Edupunk´s guide to a D.I.Y. credential“  und das Weblog-Archiv  von Jochen Robes sehr zu empfehlen!

Show-Down | Blogparade zum #ocwl11

Mit diesem kurzen Beitrag möchte ich nicht nur den Wunsch des fleißigen Gastgebers, Johannes Moskaliuk von der Universität Tübingen unterstützen, sondern auch nochmals ausdrücklich sein hervorragendes Engagement bei der Vorbereitung, Organisation und Durchführung des Open Course Workplace Learning 2011 (kurz: #ocwl11) würdigen.

Beim Show-Down des #ocwl11 geht es um die Beantwortung folgender Leitfragen:

Wie verändern offene Bildungsangebote formales Lernen an Hochschulen und anderen Bildungsinstitutionen?

Zunächst einmal sollte das neue Veranstaltungsformat verschiedene Zielgruppen einbinden und neugierig machen, denn allein die Mischung der Teilnehmer, eben nicht nur Dozent und Studierende, sondern auch Teilnehmer mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen und Motivationen tauschen sich gemeinsam zu wohl vorbereiteten Themen aus. Für die Studierenden ist es sicher größtenteils weiterhin auch eine formale Lernsituation, während andere Teilnehmer sich informell-lernend beteiligen. Vielleicht ergibt sich aus der Wechselwirkung der unterschiedlichen Motivationen, intrinsisch/extrinsisch, ein positiver Effekt für das Lernen.

Sind offene Bildungsangebote die Lösung für die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis?

Offene Bildungsangebote dieser Art sind sicher nicht die (!) Lösung für die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis, aber sie stellen einen weiteren guten, zeitgemäßen Ansatz dar (z.B. neben dualen oder berufsbegleitenden Ausbildungs-/Studiengängen), der alle Vorteile des Netzes nutzen kann (vgl. vorherigen Blogbeitrag). Durch den Austausch zwischen Studierenden und anderen Teilnehmern aus der Praxis besteht die Möglichkeit, dass von der Praxis Impulse in die Theorie und umgekehrt gegeben werden. Letztlich muß die Evaluation solcher Angebote zeigen, ob diese und andere Erwartungen erfüllt wurden.

Wie kann die Teilnahme an offenen Bildungsangeboten zertifiziert werden? Muss Sie das überhaupt?

Zielführend bleibt hier die Frage: braucht der Teilnehmer ein Zertifikat, z.B. für den Nachweis einer bestimmten Berufsbefähigung – dann sollte es eines geben. Die Akkreditierung/Zertifizierung ist eine Herausforderung, aber machbar, insbesondere auch vor dem Hintergrund der Anrechnungsmöglichkeiten von außerhalb der Hochschulen erworbenen beruflichen Kompetenzen, sowie der Entwicklung zur „Offene Hochschule“ mit den neuen Zugangsmöglichkeiten. Allerdings würde ich mir hier mehr Engagement der Bildungseinrichtungen, insbesondere der Hochschulen wünschen – Förderung von e-Bologna ist dringend erforderlich. Der eigentliche Nachweis wäre beispielsweise über Blogbeiträge oder E-Portfolio angemessen, d.h. für beide Seiten mit vernünftigem Aufwand realisierbar.

Wer finanziert offene Bildungsangebote?

Jede Institution, die sich durch die Öffnung geschlossener Angebote hin zu offenen Bildungsangeboten und solchen hybriden wie im vorliegenden Fall einen echten Mehrwert verspricht. Dabei sehe ich weniger das Problem der Kosten im Bereich der Technik als vielmehr im vielfach unterschätzten Personaleinsatz/engagement. Wenn in naher Zukunft das Bezahlen im Internet, speziell Micropayment, noch einfacher wird, könnte sicher auch der einzelne Teilnehmer ein Interesse an der Mitfinanzierung haben, vorausgesetzt die Qualität stimmt.

Was fehlt Ihnen beim #ocwl11?

Die Zeit ;-). – die wiederum eine entsprechende Planung erfordert. Planung ist nur möglich, wenn rechtzeitig ein solches Angebot bekannt ist. Während sich der Kenner (early adopter) z.B. auf die von Downes und Siemens jährlich wiederkehrenden CCKnn MOOCs bereits einstellen konnte, schießen zurzeit eine Reihe weiterer offener Kurse aus den Tiefen des Netzes hervor, so dass Interessenten wenig Chancen zur Planung haben und somit oftmals die Zeit fehlt :-(.

Was würde Sie besser machen, wenn Sie der Gastgeber des #ocwl11 wären?

Wünschenswert wäre sicher eine frühere Ankündigung eines solchen Angebotes ;-).

Um wertvolle Hinweise zur detaillierten Umsetzung geben zu können, habe ich mich zu wenig beteiligen können. Die Themen, die ich begleitet habe waren sehr gut vorbereitet, die externen Referenten und Paten waren passend ausgewählt und immer motiviert. Die technische Umsetzung ist weitgehend gelungen.

Es gäbe noch Einiges mehr zu dem aus meiner Sicht gelungenen Auftakt dieses innovativen hybriden Lernszenarios zu sagen, allerdings wie schon oben erwähnt sollte die Auswertung erst auf Basis einer qualifizierten Evaluation stattfinden. Dabei interessiert mich insbesondere die Frage an die Studierenden, wie hoch sie selbst die Reibungsverluste durch das Einarbeiten in die Instrumente des neuen Formates einschätzen. Umgekehrt natürlich, wurden durch das neue Format die Motivation und damit auch der Lernerfolg gesteigert? Insgesamt bin ich auf die Auswertung sehr gespannt und freue mich über Fragen und Kommentare.

Mehr Veränderungen beim Lernverhalten in den letzten 10 Jahren als in 1000 Jahren zuvor – alle im Wesentlichen bedingt durch technische Innovationen


Inspiriert durch den schönen Artikel von Donald Clark (special thanks to Donald Clark for the inspiring article!) reflektiere ich hier persönliche Erfahrungen. Auch aus meiner Sicht hat sich das Verhalten der Lerner ganz pragmatisch, vielerorts bereits irreversibel geändert, während an anderer Stelle intensiv darüber diskutiert wird, ob z.B. der Konnektivismus wirklich eine neue Lerntheorie ist oder eher doch nur eine pädagogische Sichtweise. Ich meine aus der Sicht der Lerner sind folgende Entwicklungen nicht mehr weg zu denken:

1. Asynchron und ubiquitär

Ob es jetzt um die lernortübergreifende Praxisbetreuung in dualen Studiengängen via Forum in einem LMS geht, oder eine Mathematikvorlesung via Video (Methode vgl. z.B. flipped classroom) am Lernort zu Hause vorbereitet wird, das asynchrone Lernen nimmt ständig weiter zu. Fast jeder Lerner hat inzwischen ein Smartphone und kann damit von überall, zu jeder Zeit auf Kurse, Wissen oder eine Vielzahl von Medien zugreifen. Auch im Kontext mit der realen Welt wird durch Applikationen zur erweiterten Realität (augmented Reality) in vielen Bereichen (vgl. z.B. Museum) ubiquitäres Lernen gefördert.

2. Links – Lernen läuft in der Regel nicht linear ab

Das eine, ideale Lehrbuch gab es im Studium nicht. Also wurde ein ganzer Bücherstappel auf dem Schreibtisch gebildet und dann noch das Fachlexikon und einige Journale hinzugezogen – die mit dem Lernen verbundene Recherche ist eben nicht linear. Wie schön, dass es im Web Hyperlinks gibt! In der Tat Wikipedia ist sicher eines der besten Beispiele, das ohne Links nicht funktionieren würde. Auch die gesamte Blogosphäre lebt von Hyperlinks.

3. Suchen und bewahren

Bevor Lerner heute in die Bibliothek gehen wird gegoogelt. Googeln als Verb für „mit Google im Internet suchen“ wurde bereits 2004 in die 23. Auflage des Rechtschreib-Duden aufgenommen. Nur ein kleiner Indiz für die Allgegenwärtigkeit dieses Konzerns, dessen Mission „Organize the world´s information …“ wohl niemand mehr anzweifelt. In jedem Fall ist es eines der wichtigsten Instrumente beim Lernen. Weitere Dienste, wie z.B. für das „Bookmarken“, das „Aufbewahren zum späteren Lesen“ oder die „Kurationsdienste“ helfen bei der Aufbewahrung und Pflege.

4. Wikipedia und vernetztes Lernen

Sicher das prominenteste Beispiel: Wikipedia! Wie konnte das passieren? Das größte Werk der Menschen entsteht parallel in x Sprachen, völlig freiwillig ohne, dass eine Institution dahinter steht und mit einem Abschluss versucht zu motivieren, ohne, dass die Arbeit vergütet wird…intrinschische Motivation etwa? In der neuen Kultur des Lernens, lernen die Menschen durch ihre Interaktion und Partizipation miteinander in „fließenden Beziehungen“, die das Ergebnis der gemeinsamen Interessen sind. In diesem Umfeld stehen alle Teilnehmer auf gleicher Ebene. Niemand hat die traditionelle Rolle des Lehrers oder Schülers. Auch der Qualitätsanspruch deutlich gewachsen, so dass die Inhalte in vielen Fällen (!) bereits wissenschaftlichen Ansprüchen genügen.

5. Chancen sozialer Netzwerke

Ob nun Fluch oder Segen Facebook, Google+ und andere soziale Netzwerke boomen. Neben dem Austausch von persönlichen Erfahrungen und Wissen werden inszwischen ganze Studiengänge via soziales Netzwerk betrieben. Der einfache Multiplikatoreffekt loser „Freundschaften“ führt zu einer neuen Form von Kollaboration mit der Chance sehr viel bessere Ergebnisse zu erzielen. Zum Beispiel hat dieser Effekt auch Auswirkungen auf Wissenschaft und Forschung, Stichwort öffentliche Wissenschaft. Während früher wissenschaftliche Arbeiten von ein oder zwei Experten begutachtet wurden, wird heute dazu übergegangen, wissenschaftliche Arbeiten ins Netz zu stellen und zwar mit der ausdrücklichen Aufforderung, dass möglichst viele Experten ein Feedback geben.

6. Blogs, Mikroblogs – Lesen und Texten

Durch Blogs, Mirkoblogs wird Lesen und Schreiben als soziale Aktivität wahrgenommen und führt in Verbindung mit neuen Endgeräten (Tablet-Computer) zu einer Renaissance des Lesens und Schreibens insbesondere bei der jüngeren Generation. Eine auch das gemeinsame Verfassen von Texten wird durch die instantane Feedbackmöglichkeit gefördert. In der Tat ist dabei ein interessantes Phänomen, dass die Textnachricht gegenüber einem persönlichen Gespräch (z.B. auch via Skype) oftmals bevorzugt wird, was sicher unterschiedliche Gründe haben mag, z.B. auch Asynchronität.

7. Pod- und Vodcasting

Noch nie war es so einfach “selbst auf Sendung zu gehen”. YouTube ist nicht nur die zweitgrößte Suchmaschine sondern hat auch die Art und Weise des Lernens enorm geändert. Neben dem vielzitierten Beispiel der Kahn Academy, gibt es eine Reihe sehr erfolgreicher deutscher YouTube Kanäle wie zum Beispiel den von Prof. Jörn Loviscach, der mit heutigem Stand auch bereits ca. 4,2 Millionen Videoaufrufe verzeichnen kann – also offensichtlich gibt es dafür einen großen Bedarf, denn dabei geht es nicht um Funvideos sondern um Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften allgemein.

8. Spielend Lernen

Spielen als Synonym für anspruchsvolle Erlebnispädagogik oder genauer “Game-based Learning” oder “Serious Games” sind heute wichtige Forschungsthemen (vgl. z.B. Überblick in L3T Son Le und Peter Weber). Geschicktes didaktisches Design kann den vermeintlichen Lerner quasi überlisten, so dass dieser nicht notwendigerweise merkt, dass er lernt. Die Vernetzung spielend Lernender in sogenannten Social Games führt neben dem Spaß des Spielens an sich zu einer weiteren sozialen Motivation, insbesondere im Wettbewerb ums Gewinnen oder das gemeinsame Entwickeln von Strategien.

9. Anwendungen und Werkzeuge (Apps and Tools)

„Dafür gibt es bestimmt eine App…“, hört man inzwischen nicht nur von flippigen Smartphone Besitzern. Heute sind es zwar bei den meisten „Informationsarbeitern“ immer noch die Office-Tools, wie Textverarbeitung-, Tabellenkalkulation- und Präsentationssoftware, die im täglichen Einsatz genutzt werden. Mit zunehmender Mobilität der Arbeitsplätze und der Endgeräte werden sich die Werkzeuge in die Cloud bewegen und wiederum ubiquitär verfügbar sein.

10. Offene Bildungsresourcen (OER)

Als vor gut 10 Jahren das MIT mit seiner Initiative „MIT OpenCourseWare“ ins Netz ging, waren doch viele Hochschulangehörige angesichts des Urheberrechts sehr überrascht. Die Vorstellung als Institution ihr Kowhow frei zur Verfügung zu stellen war bis dahin eher ungewöhnlich. Inzwischen hat ein Umdenken stattgefunden und es gibt zahlreiche weitere Hochschulen, die ihre Kurse offen ins Netz gestellt haben. Das Thema Urheberrecht ist noch nicht abschließend diskutiert, aber es gibt eine Reihe von Initiativen und die Deutsche UNESCO-Kommission hat vor kurzem einen Leitfaden zum rechtssicheren Umgang mit Open Content Lizenzen veröffentlicht – eine erfreuliche Entwicklung gerade aus der Perspektive der Lerner.

Fazit

Der Einsatz sämtlicher Instrumente für das Lernen erfordert durchaus ein hohes Maß an Medienkompetenz (z.B. wie prüfe ich die Validität gefundener Informationen?), auch wenn es daran oftmals noch mangelt, das Verhalten der Lerner hat sich de facto entscheidend geändert und wird sich weiter mit der Entwicklung technischer Innovationen ändern. Was machen die Kindergärten, Schulen, Hochschulen und Bildungseinrichtungen daraus? Wie gehen sie damit um? Wie wird sich die Ausbildung für Erzieher, Lehrer und Trainer ändern? Welche neuen professionellen Intelligenzen bzw. Kompetenzen brauchen wir, um dieses neue Lernverhalten zu fördern? Fragen über Fragen. Auch Anfang des Jahres gehen mir die Fragen nicht aus, freilich vollständige Antworten hat wohl noch niemand parat – ich freue mich auf anregende Diskussionen.